Sabine und Daniel Röder, Pulse of Europe Gründer, Change Magazin 1/2019
Cover Change Magazin 1 2019

Cover Change Magazin 1 2019

Quasi aus dem Nichts entstand Ende November 2016 die Bewegung Pulse of Europe. Innerhalb weniger Monate breitete sie sich über ganz Deutschland und das benachbarte Ausland aus. Dabei begann alles ganz unspektakulär auf einer Parkbank am Pariser Platz in Frankfurt am Main. Es war kalt, schon dunkel, die mitgebrachte Lautsprecheranlage funktionierte nicht, und den Veranstaltern wurde gerade klar, dass sie mit dem Europaviertel in Frankfurt wohl eines der ödesten Eckchen der Mainmetropole für ihre Demonstration ausgewählt hatten. Da half auch auch das vor Ort gelegene Restaurant mit dem herzerwärmenden Namen „Laube Liebe Hoffnung“ nicht.

Von der Parkbank zur bundesweiten Bewegung

Und trotzdem: Nur aufgrund einer E-Mail mit dem Aufruf zu einer proeuropäischen Kundgebung waren an diesem nasskalten Adventsabend über 200 Menschen in die urbane Leere des Europaviertels gekommen. „Das war für uns das Zeichen, dass wir weitermachen werden“, erinnern sich Sabine und Daniel Röder an die erste „Pulse of Europe“-Demonstration. Die beiden Wirtschaftsanwälte aus Frankfurt haben die Idee zu Pulse of Europe in ihrem Wohnzimmer ausgeheckt. Ein Idee, die ihr Leben seither grundlegend verändert hat.

Reicht es, zu demonstrieren?

Im Vorfeld der Europawahl 2019 habe ich die Röders in Frankfurt am Main getroffen und am Rande der ersten Pulse-Veranstaltung des Jahres Stimmen über Europa eingesammelt. Das Resultat ist eine insgesamt zwölf Seiten lange Geschichte im Change Magazin der Bertelsmann Stiftung. Dabei geht es nicht nur um die Röders und ihre Mitstreiter, sondern auch um die Höhen und Tiefen der Bewegung und die Frage, welche Wirkung die Demonstrationen entfalten und ob es nicht notwendig ist, irgendwann als proeuropäische Partei in die Parlamente einzuziehen? Daniel Röder verneint das, andere Experten, die ich dazu befragt habe, sehen das anders.

https://www.change-magazin.de/de/change-magazin-neue-ausgabe-fruehjahr-2019/

Das (sehr schöne!) gedruckte Change Magazin können Sie unter dem obigen Link kostenlos bestellen oder abonnieren.

Für Ungeduldige: Eine PDF-Ausgabe finden Sie hier:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/Infomaterialien/IN_change_Magazin_1_2019_2019_05_13.pdf

 

 

Screenshot: Interview Ulrike Guérot und Günther Bräunig, KfW Stories

Ende Mai wählen die EU-Bürger zum neunten Mal direkt das Europäische Parlament. Es wird wohl eine Schicksalwahl für die Gemeinschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte des europäischen Einigungsprozesses könnten Europa-Gegner eine signifikante Stimme im Parlament bekommen. Bis zu 30 Prozent, so Prognosen, könnten an die Nationalisten gehen. Damit würden sie in „eine Blockadeposition“ gelangen, sagt die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der KfW, Günther Bräunig. Ich habe diesen Europa-Wortwechsel in Berlin moderiert und daraus ein Gespräch editiert, das nicht nur die negativen Seiten der derzeitigen Entwicklungen in Europa, sondern auch Ansätze für eine bessere europäische Zukunft beleuchtet. Ein paar kurze Zitate:

Zahlmeister in Europa?

 

Mehr Geld für Europa, wäre das durchzusetzen? Deutschland gilt bei vielen ja schon als ewiger Zahlmeister der EU.

BRÄUNIG: Hier müssen wir den Bürgern immer wieder erklären, wie sehr die deutsche Wirtschaft vom Euro, den niedrigen Zinsen, dem Binnenmarkt und sogar von der Euro-Krise profitiert hat. Unsere Ökonomen haben das mal berechnet: Pro Jahr haben die deutschen Unternehmen dank Europa, Euro und niedriger Zinsen finanzielle Vorteile in Höhe von 60 Milliarden Euro.

GUÉROT: Diesen Satz muss man dreimal in dicken Lettern schreiben, den können die Deutschen gar nicht oft genug lesen.

Blick in die Zukunft

 

Schauen wir über die Europawahl hinaus: Wie sieht für Sie die Zukunft Europas aus?

GUÉROT: Wir können das europäische Projekt nicht mehr verhandeln wie früher Helmut Kohl und François Mitterrand, die gesagt haben: Jetzt machen wir mal einen Binnenmarkt. Heute wollen die Bürger gehört werden und Europa mitgestalten. Darauf muss das europäische System reagieren.

BRÄUNIG: Solange die Bürger sich nicht stärker beteiligen, vor allem an den Wahlen, können sie aber auch nicht erwarten, dass dieses Parlament mehr Rechte und Eingriffsmöglichkeiten bekommt.

 

Thema Europa: KfW Magazin Chancen, Mai 2019

Thema Europa: KfW Magazin Chancen, Mai 2019

Quelle:

Das Gespräch ist im KfW-Magazin „Chancen“ (Mai 2019) erschienen und kann auch gerne online gelesen werden.

 

Schoolbook Magazin Cover

„Ich weiß zwar nicht, wie es geht, aber ich kann es erklären!“ – dieser Satz einer Zehnjährigen hat mich bei der Recherche zu diesem Thema etwas nachdenklich gemacht, aber vor allem natürlich amüsiert. Worum es ging? Wie Kinder lernen, kleine Roboter zu programmieren, und wie sie an diese Aufgabe herangehen. Ich habe mit Lehrern geredet, die Roboter wie mBot, Dash oder Lego WeDo im Unterricht einsetzen. Und ich war in der HABA Digitalwerkstatt in Hamburg, um mir einen Robotik-Kurs für Kinder anzusehen.

Roboter im Unterricht

Schoolbook Magazin für Lehrer

Schoolbook Magazin für Lehrer

Mit Robotern lernen? Klingt erst einmal überdreht und ein wenig nach Pädagogik aus der Hölle. Aber es ist das Gegenteil: spielerisch, Freude bereitend, im positiven Sinne fordernd und ein genialer Weg, ins Programmieren einzuführen. Und immer mehr Schulen kommen auf den Geschmack, jedenfalls kann sich die Hamburger Digitalwerkstatt über mangelndes Interesse nicht beklagen. Diese kleinen Bastelcomputer sind wirklich klasse. Allen Pädagogen, die über digitale Demenz schwadronieren, möchte man zurufen: „Eat this!“ So geht digitale Schule.

Neues Lehrer-Magazin

Geschrieben habe ich den Text für ein ganz neues Magazin: Schoolbook – Das Lehrermagazin für Schulen im Wandel. Herausgegeben wird es von der Gesellschaft für digitale Bildung, die wiederum zur „HABA Education Allicance“ gehört, also Teil des Spielzeugherstellers Habermass (HABA) ist.

Magazintext Roboterstunde

Magazintext Roboterstunde

KfW Stories: Startup Superseven

Plastikmüll im Meer, Verschmutzungen in Seen und Flüssen, und ständig dieser Kunststoffmüll für die „Wertstofftonne“ – gibt es keine Alternative für bessere Verpackungen? In Norddeutschland gibt es mehrere Firmen, die sich gegen die Plastikflut stemmen und Verpackungen auf den Markt bringen, die aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden und sogar kompostierbar sind. Eine davon ist Superseven aus Wentorf bei Hamburg. Das Start-up entwickelt nachhaltige Verpackungen und benutzt dabei Folien, die aus Zellulose – also aus Holz – hergestellt werden.

Erinnert sich noch jemand an Zelluloid?

Genau, der Grundstoff Holz diente zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Herstellung der ersten transparenten Folien, bevor das Erdöl kam und sich als billiger und auch vielseitiger erwies. Doch Zellulose steht vor eine Renaissance, auch wenn der Basisstoff immer noch drei Mal so teuer ist wie Öl. Aber wer heute nachhaltige Produkte verkauft, möchte diese auch ebenso verpacken. Und deshalb kann sich Superseven derzeit vor Anfragen nicht retten.

Publikumsliebling

Beim KfW Award Gründen wurde Superseven Landessieger in Niedersachsen (obwohl Wentorf in Schleswig-Holstein liegt, das habe ich vergessen zu klären) und auf der Abschlussveranstaltung in Berlin den vor Ort ermittelten Publikumspreis. Das Thema ist heiß, und das junge Start-up motiviert, daraus ein gutes Geschäftsmodell zu entwickeln.

Hier geht es zum Superseven-Porträt, das ich für die KfW Stories geschrieben habe.

Titel concepts Ausgabe 2/2018 | Chefredakteur Dr. Torsten Meise Journalist Hamburg
Titel Cover Kundenmagazin concepts by Hochtief Ausgabe 2/2018 Chefredaktion Torsten Meise

Titel concepts Ausgabe 2/2018

Welche Wirkungen haben große Infrastrukturprojekte? Diese Frage habe ich mit Prof. Dr. Dr. Manfred Moldaschl von der Zeppelin Universität Friedrichshafen erörtert. Der Nachhaltigkeitsforscher ist auch Leiter des European Center for Sustainability Research und in dieser Funktion einem Ansatz verpflichtet, der unter Nachhaltigkeit nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte subsumiert.

Wie sich Infrastruktur auswirkt

Der Grund für dieses Interview und diese Fragestellung war die Titelgeschichte des aktuellen Kundenmagazins concepts by Hochtief, das soeben erschienen ist. Darin haben wir Beispiele gezeigt, wie einzelne Infrastrukturprojekte weitreichende und positive Folgen für eine Gesellschaft haben können – selbst wenn sie im Vorhinein höchst umstritten waren. Bestes Beispiel hier die ist die von Hochtief im Jahr 2000 fertiggestellte Öresund-Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö. Sie hat nicht nur dazu geführt, dass vor allem die schwedische Seite wirtschaftlich aufgeblüht ist, sie hat auch einen Güterverkehrskorridor inspiriert, der von Skandinavien bis nach Sizilien reichen soll, und der in Teilen bereits gebaut worden ist.

Torsten Meise und Prof. Dr. Dr. Manfred Moldaschl

Torsten Meise und Prof. Dr. Dr. Manfred Moldaschl

Protest als Erscheinung komplexer Gesellschaften

Selbst wenn sich eine Menge solcher Beispiele aufzählen lassen, so verfestigt sich doch der Eindruck, dass es in der Gegenwart deutlich schwieriger geworden ist, selbst kleine Projekte umzusetzen. Der Protest ist quasi vorprogrammiert, und ja auch selten nicht unberechtigt. Auch um hier zu einer besseren Grundlage zu kommen, forscht Prof. Moldaschl an Methoden und Ansätzen, die vielfachen Wirkungen von Infrastrukturprojekten zu beurteilen, was auch zu besseren Planungen und Umsetzungen führen soll. Der Versuch, Vorhaben ganzheitlich zu erfassen und auch gemeinsam mit den Stakeholdern, also auch den Betroffenen zu klären, könnte wegweisend sein und damit auch für ein Unternehmen wie Hochtief interessant.

Jetzt online lesen

Das Interview mit Prof. Moldaschl, den ich gerne mit dem Begriff „Universalgelehrter“ beschreiben möchte, lässt sich auch online lesen, denn concepts hat ein digitales Upgrade erfahren. Statt eines Blätter-PDFs wie zuvor gibt es jetzt ein schickes Online-Magazin, das das vielfach ausgezeichnete Heft-Konzept in eine netzadäquate Form bringt. Viel Spaß beim Lesen!

Interview Prof Dr. Dr. Manfred Moldaschl, Torsten Meise Kundenmagazin concepts by Hochtief 2018

Interview: Nachhaltigkeit und Infrastruktur

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Hier geht es direkt zum Interview: deutsch | englisch

 

Zum ganzen Magazin: deutsch | englisch

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Blockchain, Smart City, 5G, Städte im Netz der Dinge, Dr. Torsten Meise, Journalist, Digitalexperte
Tomorrow 2/2018

Tomorrow 2/2018, Torsten Meise

Als ehemaliger Ressortleiter beim Milchstraßen-Titel „Tomorrow“ war ich ziemlich erfreut, wieder einmal für „Tomorrow“ zu schreiben. Natürlich ist die alte Tomorrow längst eingestellt. Hier geht es um das gleichnamige Kundenmagazin der Schaeffler Gruppe, das von der Hamburger Agentur Speedpool betreut wird. Das Thema: Welche Bedeutung haben die Blockchain und das zukünftige 5G-Mobilfunknetz für die Smart City?

Hype oder Hoffnung?

Okay, Blockchain ist ein totales Hype-Thema, und 5G ist noch weitgehend in der Erprobung, aber schon gehen einige Städte voran und überlegen sich die praktische Anwendungen. Ganz vorne spielt derzeit Dubai, die 2020 die Expo ausrichten und bis dahin zahlreiche Blockchain-Anwenungen im Einsatz haben wollen. Das ist ambitioniert, aber mutig. Weitere Beispiele im Text. Für das Magazin gibt es auch Blätter-Versionen, mein Text beginnt ab Seite 108:

Deutsch: http://schaeffler-epaper.com/tomorrow/2018/02/de/html5.html#/108

Englisch: http://schaeffler-epaper.com/tomorrow/2018/02/en/html5.html#/108

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Städte im Netz der Dinge, Torsten Meise. Tomorrow-Magazin, Schaeffler Gruppe

Vorbei sind die Zeiten, als der Hamburger Hafen das unbestrittene ökonomische Herz der Hansestadt war. Immer deutlicher formiert sich die Kritik am großen Einfluss der Hafenwirtschaft in der Stadt. Soll sich Hamburg weiterhin stark auf den Hafen fokussieren, oder doch sein Heil eher bei neuen ökonomischen Potentialen suchen? In einem Titelbeitrag für das Magazin der Handelskammer Hamburg bin ich der Frage nachgegangen, welche Chancen der Hamburger Hafen bietet, wenn man einmal nicht auf nur den Containerumschlag (der vor einer eher unsicheren Zukunft steht) schaut.

Zukunft des Hafens

Herausgekommen ist, dass sich der Hafen zum Treiber für neue, innovative und nachhaltige Technologien entwickelt. Intelligente Verkehrskonzepte, ein wegweisendes 5G-Netz, Ideen für die Hafenlogistik oder die Versorgung der Schiffe mit Landstrom – der smarte Port hat bereits einiges zu bieten. In Zukunft müsste es aber deutlich mehr werden, vor allem sollte sich der Hafen stärker mit dem Wissenschaftsstandort Hamburg vernetzen, sagt zum Beispiel Prof. Henning Vöpel, der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts HWWI.

Wirtschaftsstandort Hamburg

Nach den Smart-City-Konzepten der Stadt und den Plänen Hamburgs in Sachen Smart Mobility ist diese bereits die dritte große Geschichte über den Wirtschafts- und Technologiestandort, die ich für die HW, die Hamburger Wirtschaft, geschrieben habe. Eine spannende Serie für mich, ist Hamburg doch eine dynamische und zukunftsorientierte Stadt mit guten Ideen, die leider oftmals nicht wirklich konsequent genug kommuniziert werden.

 

Artikel "Zukunft des Hafens" Hamburger Wirtschaft, Autor: Torsten Meise

Artikel „Zukunft des Hafens“ Hamburger Wirtschaft

Artikel "Zukunft des Hafens" Hamburger Wirtschaft, Autor: Torsten Meise

Artikel „Zukunft des Hafens“ Hamburger Wirtschaft

Artikel "Zukunft des Hafens" Hamburger Wirtschaft, Autor: Torsten Meise

Artikel „Zukunft des Hafens“ Hamburger Wirtschaft

KfW Chancen Magazin

Prof. Dietmar Harhoff ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb in München. Einmal pro Jahr überreicht er Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Bericht darüber, wie es um die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bestellt ist. Vieles, was in dem Report steht, ist nicht gerade überschwänglich optimistisch. Im Gespräch mit KfW-Chefökonom Jörg Zeuner listet Harhoff deshalb auch eine Reihe von Defiziten auf, die vor allem der deutsche Mittelstand beim Anschluss an die Technologieentwicklung hat. Die Innovatorenquote sei rückläufig, so Harhoff, also die Zahl der Unternehmen, die in jüngster Vergangenheit Innovationen umgesetzt haben. Auch die KfW musste feststellen, dass die Innovationsausgaben im Mittelstand zwar nicht zurückgehen, aber von immer weniger Unternehmen erbracht werden. Ein alarmierendes Zeichen. Trotzdem blickt der MPI-Direktor nicht ganz pessimistisch in die Zukunft. „Ich bin eher darüber besorgt, dass es in Deutschland einen Wettbewerb im Zeichnen von Horrorszenarien gibt“, so Harhoff. Möge er recht haben.

Lesen Sie das ganze Doppel-Interview im KfW-Magazin Chancen, das man hier herunterladen kann.

Doppelinterview, KfW Magazin

Doppelinterview, KfW Magazin

Agentur: BP Content, Hamburg

Change Magazin: Reportage Mechelen, Vielfalt, Diversity, Stadtentwicklung, Dr. Torsten Meise, Journalist, Digitalexperte

Mein erstes Interview mit Bart Somers, dem Bürgermeister von Mechelen, hatte ich im Herbst 2016 in Brüssel. Im Januar 2018 schickte mich das Change Magazin der Bertelsmann Stiftung noch einmal nach Belgien, um mir die Stadt anzusehen und noch einmal mit dem World Mayor 2017, dem besten Bürgermeister der Welt, zu reden.

Das Wunder von Mechelen

Mit dabei war der Hamburger Fotograf Achim Multhaupt. Drei Tage waren wir in der 90000-Einwohner-Stadt unterwegs und haben den lokalen Boxclub und das landesweit bekannte Jugendzentrum ROJM besucht, den Polizeichef und den Präsidenten des Fußballclubs Salaam Mechelen gesprochen oder einfach Leute auf der Straße angesprochen. Denn wir wollten wissen, was dran ist am „Wunder von Mechelen“. Hat es Bart Somers tatsächlich geschafft, in drei Amtszeiten aus der dreckigsten Stadt Belgiens einen Vorzeigeort zu machen, in dem die unterschiedlichsten Kulturen plötzlich friedlich und tolerant miteinander leben?

Mit Bart Somers in Mechelen | © Achim Multhaupt

Mit Bart Somers in Mechelen | © Achim Multhaupt

Um es vorwegzunehmen: Ja, die Story ist wahr, und Bart Somers hat sich nicht nur an einem Samstag Zeit für ein langes Interview genommen, sondern ist danach auch noch zwei Stunden mit uns durch die Stadt gelaufen und hat uns zu neu angelegten Parks, renovierten Sozialbauten und in die größte Moschee der Stadt geführt. Wie er dort empfangen wurde, hat besser als jedes Interview gezeigt, wie akzeptiert und vernetzt der liberale Politiker in der Stadt ist. Die Geschichte, die ich für das Change Magazin danach aufgeschrieben habe, sollte ein wenig von der Stimmung in der Stadt einfangen. Aber am Ende passt dann doch wieder nicht genug hinein, auch wenn es diesmal schon sechs Doppelseiten waren.

Das Change Magazin kann kostenlos bestellt werden.

 

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

 

Blogbeitrag Diversity Mechelen Mechelen, Vielfalt, Diversity, Stadtentwicklung, Dr. Torsten Meise, Journalist, Digitalexperte

Das Erscheinungsbild unserer Städte und unserer Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Mit dem Zuzug von Flüchtenden aus dem Nahen Osten ist das auch visuell noch einmal deutlich sichtbarer geworden. Kulturelle Vielfalt – oder Neudeutsch: Diversity – ist die neue Normalität. Und sie wird nicht wieder weggehen. Alle Bürger einer Stadt, aber auch alle Mitarbeiter eines Unternehmens oder einer Administration werden damit umgehen müssen, alle werden sich an diese Realität anpassen müssen. Es ist nicht einfach, solche Anpassungsprozesse anzustoßen und zu unterstützen, aber es kann funktionieren. Und am Ende werden wir alle davon profitieren – das ist die Botschaft einer Reihe von Beiträgen, die ich für das Blog Vielfalt Leben der Bertelsmann Stiftung geschrieben hat.

Mit Bart Somers in Mechelen | © Achim Multhaupt

Mit Bart Somers (l.) unterwegs in Mechelen | © Achim Multhaupt

Wo 130 Nationalitäten gut zusammenleben

Ausgangspunkt war das Beispiel der belgischen Stadt Mechelen, die eine beinahe unfassbare Turnaround-Story vorzuweisen hat. Mechelen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts vom Schandfleck zur blühenden Stadt und zum Vorbild für die Integration von Einwanderern gewandelt. In einer dreiteiligen Serie zeigt „Vielfalt leben“, wie sie das geschafft hat. Darin porträtiere ich Bürgermeister Bart Somers und seinen ungewöhnlichen Politikansatz, der darauf abzielt, die über 130 Nationalitäten der Stadt zusammenzubringen. Seine Erfolge bei diesem Bemühen haben ihm 2017 den „World Mayor“-Titel eingebracht, die Auszeichnung für den besten Bürgermeister der Welt.

Warum Diversity auch in Unternehmen gut ist

Die Wirtschaft spielt eine herausragende Rolle, wenn es um die Integration von Menschen aus anderen Kulturen geht. Aber sie bekommt dafür auch etwas zurück. Denn kulturell vielfältige Unternehmen sind innovativer – das hat die Bertelsmann Stiftung soeben in einer Metastudie bestätigt. Was man im Silicon Valley sehen kann, wo in den kreativsten Unternehmen Menschen aus aller Welt zusammenarbeiten, kann auch für die Fuchs & Hase KG aus Wiesengrund-Hintermberge funktionieren. Immer mehr Mittelständler sehen diesen Vorteil und beginnen damit, ein eigenes Diversity Management aufzubauen oder orientieren sich an den Leitlinien der Charta für Vielfalt. Angesichts einer vielfältigeren Gesellschaft und einem enormen Fachkräftemangel bleibt vielen Betrieben auch gar nichts anderes übrig, als von eingelebten Sichtweisen abzurücken.

Diversity in Unternehmen

Diversity in Unternehmen

Vielfalt ist eine Kommunikationsaufgabe

Sowohl für das gute Zusammenleben in Städten und Regionen als auch für die Bemühungen um die Akzeptanz von Vielfalt in Unternehmen gilt: Diversity ist auch eine Kommunikationsaufgabe. Die klassische Medienöffentlichkeit ist vor allem an den Konfliktfällen orientiert und vermittelt so ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Hier können sich dann unbegründete Ängste und Vorurteile festsetzen. Die Stadt Barcelona hat dies schon lange erkannt und deshalb eine erfolgreiche Anti-Rumour-Strategie entwickelt, um Stereotype, Vorurteile und die vor allem von der Rechten verbreiteten Lügen zu bekämpfen. Dazu gehört aber auch, gesellschaftliche Gruppen zu adressieren, die in der täglichen Medienberichterstattung, die auf weiße, meist männliche und gesellschaftlich etablierte Akteure fixiert ist, systematisch ausgeblendet werden.

Bemühungen um Diversity werden belohnt

Sowohl Kommunen als auch Unternehmen müssen hier mehr Energie entwickeln, um das Zusammenleben besser zu gestalten und sich die Vorteile einer kulturell vielfältigen Belegschaft zu sichern. Diversity ist Teil unseres täglichen Lebens, aber oftmals noch nicht ausreichend Teil unserer Kommunikation. Entsprechende Maßnamen in der Unternehmenskommunikation müssen dabei sowohl nach innen als auch nach außen wirken. Denn attraktive Arbeitgeber zeichnen sich heute auch durch kulturelle Vielfalt und ein entsprechendes Diversity-Mindset aus, das auch gelebt wird. Kommunikationsmaßnahmen alleine sorgen nicht für die Lösung aller Probleme, klar, aber die Botschaft, das Vielfalt begrüßt und gelebt wird, muss immer wieder wirkungsvoll formuliert und kommuniziert werden, um die Stadt oder das Unternehmen fit für eine vielfältige Zukunft zu machen. Gut gelebte Vielfalt ist eine Bereicherung, und das muss das Ziel sein.