Change Magazin: Reportage Mechelen, Vielfalt, Diversity, Stadtentwicklung, Dr. Torsten Meise, Journalist, Digitalexperte

Mein erstes Interview mit Bart Somers, dem Bürgermeister von Mechelen, hatte ich im Herbst 2016 in Brüssel. Im Januar 2018 schickte mich das Change Magazin der Bertelsmann Stiftung noch einmal nach Belgien, um mir die Stadt anzusehen und noch einmal mit dem World Mayor 2017, dem besten Bürgermeister der Welt, zu reden.

Das Wunder von Mechelen

Mit dabei war der Hamburger Fotograf Achim Multhaupt. Drei Tage waren wir in der 90000-Einwohner-Stadt unterwegs und haben den lokalen Boxclub und das landesweit bekannte Jugendzentrum ROJM besucht, den Polizeichef und den Präsidenten des Fußballclubs Salaam Mechelen gesprochen oder einfach Leute auf der Straße angesprochen. Denn wir wollten wissen, was dran ist am „Wunder von Mechelen“. Hat es Bart Somers tatsächlich geschafft, in drei Amtszeiten aus der dreckigsten Stadt Belgiens einen Vorzeigeort zu machen, in dem die unterschiedlichsten Kulturen plötzlich friedlich und tolerant miteinander leben?

Mit Bart Somers in Mechelen | © Achim Multhaupt

Mit Bart Somers in Mechelen | © Achim Multhaupt

Um es vorwegzunehmen: Ja, die Story ist wahr, und Bart Somers hat sich nicht nur an einem Samstag Zeit für ein langes Interview genommen, sondern ist danach auch noch zwei Stunden mit uns durch die Stadt gelaufen und hat uns zu neu angelegten Parks, renovierten Sozialbauten und in die größte Moschee der Stadt geführt. Wie er dort empfangen wurde, hat besser als jedes Interview gezeigt, wie akzeptiert und vernetzt der liberale Politiker in der Stadt ist. Die Geschichte, die ich für das Change Magazin danach aufgeschrieben habe, sollte ein wenig von der Stimmung in der Stadt einfangen. Aber am Ende passt dann doch wieder nicht genug hinein, auch wenn es diesmal schon sechs Doppelseiten waren.

Das Change Magazin kann kostenlos bestellt werden.

 

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

Change Magazin: Reportage Mechelen

 

Blogbeitrag Diversity Mechelen Mechelen, Vielfalt, Diversity, Stadtentwicklung, Dr. Torsten Meise, Journalist, Digitalexperte

Das Erscheinungsbild unserer Städte und unserer Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Mit dem Zuzug von Flüchtenden aus dem Nahen Osten ist das auch visuell noch einmal deutlich sichtbarer geworden. Kulturelle Vielfalt – oder Neudeutsch: Diversity – ist die neue Normalität. Und sie wird nicht wieder weggehen. Alle Bürger einer Stadt, aber auch alle Mitarbeiter eines Unternehmens oder einer Administration werden damit umgehen müssen, alle werden sich an diese Realität anpassen müssen. Es ist nicht einfach, solche Anpassungsprozesse anzustoßen und zu unterstützen, aber es kann funktionieren. Und am Ende werden wir alle davon profitieren – das ist die Botschaft einer Reihe von Beiträgen, die ich für das Blog Vielfalt Leben der Bertelsmann Stiftung geschrieben hat.

Mit Bart Somers in Mechelen | © Achim Multhaupt

Mit Bart Somers (l.) unterwegs in Mechelen | © Achim Multhaupt

Wo 130 Nationalitäten gut zusammenleben

Ausgangspunkt war das Beispiel der belgischen Stadt Mechelen, die eine beinahe unfassbare Turnaround-Story vorzuweisen hat. Mechelen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts vom Schandfleck zur blühenden Stadt und zum Vorbild für die Integration von Einwanderern gewandelt. In einer dreiteiligen Serie zeigt „Vielfalt leben“, wie sie das geschafft hat. Darin porträtiere ich Bürgermeister Bart Somers und seinen ungewöhnlichen Politikansatz, der darauf abzielt, die über 130 Nationalitäten der Stadt zusammenzubringen. Seine Erfolge bei diesem Bemühen haben ihm 2017 den „World Mayor“-Titel eingebracht, die Auszeichnung für den besten Bürgermeister der Welt.

Warum Diversity auch in Unternehmen gut ist

Die Wirtschaft spielt eine herausragende Rolle, wenn es um die Integration von Menschen aus anderen Kulturen geht. Aber sie bekommt dafür auch etwas zurück. Denn kulturell vielfältige Unternehmen sind innovativer – das hat die Bertelsmann Stiftung soeben in einer Metastudie bestätigt. Was man im Silicon Valley sehen kann, wo in den kreativsten Unternehmen Menschen aus aller Welt zusammenarbeiten, kann auch für die Fuchs & Hase KG aus Wiesengrund-Hintermberge funktionieren. Immer mehr Mittelständler sehen diesen Vorteil und beginnen damit, ein eigenes Diversity Management aufzubauen oder orientieren sich an den Leitlinien der Charta für Vielfalt. Angesichts einer vielfältigeren Gesellschaft und einem enormen Fachkräftemangel bleibt vielen Betrieben auch gar nichts anderes übrig, als von eingelebten Sichtweisen abzurücken.

Diversity in Unternehmen

Diversity in Unternehmen

Vielfalt ist eine Kommunikationsaufgabe

Sowohl für das gute Zusammenleben in Städten und Regionen als auch für die Bemühungen um die Akzeptanz von Vielfalt in Unternehmen gilt: Diversity ist auch eine Kommunikationsaufgabe. Die klassische Medienöffentlichkeit ist vor allem an den Konfliktfällen orientiert und vermittelt so ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Hier können sich dann unbegründete Ängste und Vorurteile festsetzen. Die Stadt Barcelona hat dies schon lange erkannt und deshalb eine erfolgreiche Anti-Rumour-Strategie entwickelt, um Stereotype, Vorurteile und die vor allem von der Rechten verbreiteten Lügen zu bekämpfen. Dazu gehört aber auch, gesellschaftliche Gruppen zu adressieren, die in der täglichen Medienberichterstattung, die auf weiße, meist männliche und gesellschaftlich etablierte Akteure fixiert ist, systematisch ausgeblendet werden.

Bemühungen um Diversity werden belohnt

Sowohl Kommunen als auch Unternehmen müssen hier mehr Energie entwickeln, um das Zusammenleben besser zu gestalten und sich die Vorteile einer kulturell vielfältigen Belegschaft zu sichern. Diversity ist Teil unseres täglichen Lebens, aber oftmals noch nicht ausreichend Teil unserer Kommunikation. Entsprechende Maßnamen in der Unternehmenskommunikation müssen dabei sowohl nach innen als auch nach außen wirken. Denn attraktive Arbeitgeber zeichnen sich heute auch durch kulturelle Vielfalt und ein entsprechendes Diversity-Mindset aus, das auch gelebt wird. Kommunikationsmaßnahmen alleine sorgen nicht für die Lösung aller Probleme, klar, aber die Botschaft, das Vielfalt begrüßt und gelebt wird, muss immer wieder wirkungsvoll formuliert und kommuniziert werden, um die Stadt oder das Unternehmen fit für eine vielfältige Zukunft zu machen. Gut gelebte Vielfalt ist eine Bereicherung, und das muss das Ziel sein.

Concepts 1/2018, Cover

Während die Ausgabe 2/2017 gerade den Sprung auf die Shortlist des Wettbewerbs Best of Content Marketing 2018 geschafft hat, ist bereits die nächste Ausgabe von concepts, das Kundenmagazin der Hochtief-Gruppe, fertig geworden. Unser Fokusthema diesmal: Der Trend zum Wohnen in luxuriösen Hochhäusern.

Kundenmagazin concepts 1/2018

Kundenmagazin concepts 1/2018, Cover

Architektur-Spezialist Christian Tröster hat dazu ein schönes Stück geschrieben, das zum Beispiel die Situation in Frankfurt beschreibt, wo gerade immer mehr Wohntürme aus dem Boden sprießen. Interessant finde ich, wie Christian den Trend erkennt, immer mehr Stadtfunktionen in das einzelne Gebäude zu integrieren. Natürlich auch, um die eher unattraktiven unteren Stockwerke sinnvoll zu füllen. Als Ergänzung habe ich dann ein Interview mit der Geschäftsführenden Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Christine Lemaitre, geführt. Darin ging es um das Spiegelbild: Wie lassen sich solche Gebäude sinnvoll in den städtischen Kontext integrieren?

Weitere Themen des Magazins:

Urban geht’s weiter im Kundenmagazin, mit einer schönen Geschichte über Prag. Autorin Christine Keilholz ist für concepts in die Unterwelt der Goldenen Stadt abgetaucht, wo gerade neue Tunnel entstehen, die die Infrastruktur der tschechischen Hauptstadt aufnehmen. Gezeigt wird auch, wie viele Projekte Hochtief bereits in der Stadt verwirklicht hat: vom Straßentunnel über die Restaurierung der Oper bis hin zum neuen Hochschulbau.

Von Prag geht die Reise dann elbabwärts nach Hamburg. Hier hat sich Autor Eric Leimann erklären lassen, wie Hochtief die Stadt vor Hochwasser schützt, auch in Zeiten des Klimawandels. Eine neue Technik, die hier zum Einsatz kam, ist besonders für schmale Gewässer geeignet und könnte an vielen Orten weltweit dazu beitragen, Städte vor dem steigenden Meeresspiegel zu bewahren.

Und dann haben wir zwei Porträts über Mitarbeiter, mal wieder toll geschrieben von Sonja Helms. Und ich bin dann auch noch einmal dabei und versuche zu klären, was eine Omgevingsmanagerin in den Niederlanden für Aufgaben hat.

Bauhaus Now: Welt wird Stadt
Bauhaus Now Cover

Bauhaus Now Cover

Vor knapp 100 Jahren startete das Bauhaus, um die Ästhetik des 20. Jahrhunderts für immer zu verändern. In der Kunst, im Design, vor allem aber in der Architektur. Namen wie Walter Gropius und Mies van der Rohe stehen für den Aufbruch in die Moderne, aber auch für viele Fehler dieser Epoche. Doch wie sieht es eigentlich in der Stadtplanung aus? Sie stand nicht wirklich im Mittelpunkt des Bauhaus. Da ging es eher um das einzelne Gebäude. Die großen Errungenschaften der Stadtplanung in den 1920er und 1930er Jahren stammen eher von Architekten, die nur am Rande mit den Bauhaus-Heroen zu tun hatten, Bruno Taut zum Beispiel oder Ernst May.

Urbane Bauhaus-Spuren

Aber man kann Moderne auch als eine Haltung verstehen, als Form des radikalen Gestaltens, oder als Gerechtigkeits-Projekt, wie es der eher linke Flügel des Bauhaus gesehen hätte, und dann erkennt man doch die Spuren, die sich bis heute in der Stadtentwicklung finden. Ich habe das in einem längeren Text versucht. Und zwar für ein neues Magazin namens „Bauhaus Now“, das auf das anstehende Jubiäum „100 Jahre Bauhaus“ vorbereiten soll.

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Bauhaus Now: Welt wird Stadt

Magazin Hamburger Wirtschaft, Cober der Ausgabe Januar 2018

Magazin Hamburger Wirtschaft, Januar 2018

Ende 2017 stellte die VW-Tochter Moia ihr neues Fahrzeug vor, mit dem der Ridesharing-Dienst ab 2018 in Hamburg antreten möchte. Warum zuerst in der Hansestadt? Nun, Hamburg ist an vielen Stellen dabei, neue Mobilitätslösungen zu fördern, hat einen guten Nahverkehr, den Smart Port – und schließlich den ITS Weltkongress 2021 an die Elbe geholt. „Intelligente Transport Systeme“, darunter fallen verschiedene Ansätze, durch Digitalisierung die Verkehrsprobleme der Städte in den Griff zu bekommen. In meiner Geschichte für die aktuelle Ausgabe der „Hamburger Wirtschaft“, kurz HW, habe ich mit vielen Akteuren in der Stadt besprochen und einige Dinge erfahren, die ich noch nicht wusste. Mein Fazit: Schon in einigen Jahren könnte Mobilität in Hamburg ganz anders aussehen. Den ganzen Text und das Interview mit Wirtschaftssenator Horch kann man auch online lesen: http://hamburger-wirtschaft.de/pdf/012018/index.html

Mobilität ist wichtig für alle

Die HW ist das Magazin der Handelskammer Hamburg, entsprechend stehen im Text auch die Bedürfnisse der Unternehmen ein wenig im Vordergrund. Generell haben die Planungen zum ITS Weltkongress, zu neuen Verkehrskonzepten und innovativen Mobilitätsangeboten natürlich Auswirkungen für alle.

Sprechen Sie mich an, wenn Sie Interesse an Texten oder Medienkonzepten haben. Als Journalist verfolge ich das Thema regelmäßig, mit unserer Agentur P|M Publishing helfen wir Ihnen gerne dabei, Contentstrategien zu entwickeln. Der schnellste Kontakt: +49 171 416 50 54.

 

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Labor für Mobilität – Titelstory der Hamburger Wirtschaft, Ausgabe Januar 2018

Cover Chancen-Magazin

Cover Chancen-Magazin

Ja, ich gebe zu, ich hatte meine Ressentiments, als ich den Auftrag bekam, für das KfW-Magazin Chancen ein Interview mit Nathalie von Siemens zu führen. Ururenkelin des deutschen Vorzeigeunternehmers Werner von Siemens, Aufsichtsrätin von Deutschlands traditionsreichstem Industriegiganten, Mitglied einer Familie, die immer noch am Unternehmen beteiligt ist und laut Manager Magazin eine jährliche pro-Kopf-Dividende von über 500 000 Euro kassiert – und dann über Bildung sprechen? Ich war skeptisch. Aber bereits nach wenigen Minuten hatte ich dann vergessen, wer da eigentlich vor mir sitzt. Im Doppelinterview mit KfW-Chefökonom Jörg Zeuner präsentierte sich Nathalie von Siemens höchst kompetent, bestens vorbereitet und absolut engagiert für die Arbeit der Siemens-Stiftung, die weltweit vorbildliche Bildungsprojekte anstößt und unterstützt. Und so ist dann ein Gespräch zustande gekommen, in dem einige gute, aber auch viele Schattenseiten unseres Bildungssystems zur Sprache kamen. Hier ein paar Zitate:

In unserem Schulwesen haben wir immer noch einen Fokus auf dem Memorieren und dem Wiedergeben. Das war im 19. Jahrhundert inder Industrialisierung total wichtig. Heute haben wir aber eine andere Situation.

Wir müssen vor allem die Fähigkeit fördern, aus Bekanntem Neues zu entwickeln.

In den MINT-Fächern sind Investitionen in die Bildung, die vor dem zwölften Lebensjahr stattfinden, sehr wirksam. Danach nimmt die Wirksamkeit signifikant ab.

Das ganze Interview bzw. das gesamte Chancen-Magazin lässt sich auch online durchblättern.

 

Kunde: KfW
Agentur: bp Content, Hamburg
Fotos: Maria Schiffer
Interview: Torsten Meise

FAZ_29.09.17 Ist die smarte Stadt interessant für Investoren?

Pünktlich zur EXPO REAL in München wollte die FAZ-Tochter FAZIT Communication wissen, ob das Thema Smart City bereits für Immobilieninvestoren interessant sei. Ich fand die Frage auch spannend, ohne sie unmittelbar beantworten zu können. Also habe ich mit ein paar Experten in diesem Bereich gesprochen. Und herausgefunden: Na ja, die dicken Fische der Branche finden die clevere Stadt zwar sehr spannend, verorten das Thema aber noch in der Zukunft. Ein paar Wohnungsbaugesellschaften jedoch sind Early Adopter und fangen an, neue Projekte mit der Stadt zu vernetzen. Zum Beispiel in Berlin, aber auch in Hamburg.

Smart Cities: Verhältnisse verschieben sich

Das ist ein interessantes Ergebnis: Die Kleinen gehen voran, die Großen warten ab. Allerdings könnte die digitale Transformation der Städte schon bald dazu führen, dass Lagen neu bewertet werden und bislang unbeachtete Standorte an Bedeutung gewinnen. Der Wettbewerb der Städte läuft, und es nicht gesagt, dass es die Metropolen sind, die am Ende die besseren Konzepte haben. Das sollten auch die großen Unternehmen der Branche und die Immobilienfonds im Auge behalten. Wenn ich Investor wäre, ich würde mir die technologische Komponente der Stadtentwicklung genauer ansehen.

Politics matters: Thema Stadtentwicklung vor der Renaissance

Ohne Rahmenbedingungen, ohne Flexibilität in Politik und Verwaltung lässt sich die Stadt nicht erneuern. Der lokalen Politik kommt bei der Smart City deshalb eine besondere Bedeutung zu. Planung und Entwicklung auf kommunaler Ebener werden noch wichtiger. Sie benötigen aber auch wache Investoren, die bereit sind, ins Risiko zu gehen. Das steht so nicht im Artikel, wäre aber eine Fortsetzung, die geschrieben werden müsste. Ich bleibe dran, kontakten Sie mich.

 

 

FAZ_29.09.17 Ist die smarte Stadt interessant für Investoren?

FAZ_29.09.17 Ist die smarte Stadt interessant für Investoren?

Magazin zur Europawoche 2017
Magazin zur Europawoche 2017

Magazin zur Europawoche 2017

Die Europawoche in Hamburg bietet jedes Jahr im Mai zahlreiche Anlässe, sich mit Themen der Europäischen Union und generell mit politischen und kulturellen Themen auseinanderzusetzen. Das Programmheft sammelt nicht nur die Veranstaltungen der Europawoche, sondern versucht auch, die Bezüge zwischen der Hansestadt und der EU herauszuarbeiten. 2017 steht das Heft unter dem Eindruck des nahenden G20-Gipfels in den Messehallen, aber auch der Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren. Letzteres war eine denkwürdige Veranstaltung, die bereits vieles von dem widerspiegelte, was Europa bis heute ausmacht. Ich habe für das Programmheft, neben anderen Geschichten, einen kleinen Text über den damaligen Gipfel geschrieben.

 

Chaostage am Kapitol

Die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren markiert die Geburtsstunde der Europäischen Union. Die Zusammenarbeit der Nationen begann eher holprig. Und wohl mit jeder Menge unbedruckter Seiten.

In Rom regnete es in Strömen, als sich die Regierungschefs von Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg und West-Deutschland am Abend des 25. März 1957 auf dem Kapitolshügel zur Unterzeichnungszeremonie versammelt hatten. Im prächtigen Horatier-und-Curiatier-Saal, heute Teil der Kapitolinischen Museen, unterschrieben sie vor 500 Fotografen drei Verträge: einen über die Einrichtung einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), einen über die Gründung einer Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) sowie das Abkommen über gemeinsame Organe für die Europäischen Gemeinschaften.

Ein historisches Ereignis, denn die Verträge bilden das Fundament einer überstaatlichen Organisation in Europa, der heutigen EU. Trotzdem war der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer nicht gut aufgelegt. „Ich weiß nicht einmal, was ich alles unterschrieben habe“, soll er gestöhnt haben. So jedenfalls verbreitete es damals Der Spiegel, der sich nie eine Spitze gegen den Kanzler entgehen ließ. Doch was auch die Hamburger Journalisten nicht ahnten: Die großen dekorativen Papierstapel, auf die die Staatsmänner ihre Unterschriften gesetzt hatten, bestanden wohl größtenteils aus unbedruckten Blättern. Das war keine böse Absicht, sondern Resultat einer Kette unglücklicher Ereignisse.

Europa, das leere Blatt

Europa, das leere Blatt

Albert Breuer war Mitarbeiter der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), einer ersten Keimzelle Europas, die den Markt für Kohle und Stahl regulierte. Im Frühjahr 1957 war er unter anderem dafür zuständig, die Zeremonie in Rom wie geplant über die Bühne zu bringen. Vor einigen Jahren enthüllte er, wie es dabei drunter und drüber ging.

Während der Tag der Unterschrift immer näher rückte, stritten die Experten im fernen Brüssel immer noch über letzte Formulierungen. Vor 60 Jahren, als es noch kein Internet und kein Fax gab, stürzte das die Mannschaft in Rom nach und nach ins Chaos. Jedes Mal, wenn auf dem Kapitolshügel das Telefon klingelte, mussten wieder Passagen in den Vertragstexten erneuert, in vier Sprachen übersetzt, geschrieben und neu gedruckt werden. Die Vervielfältigungsmaschinen, per Zug nach Rom gebracht, durften jedoch nur im feuchten Keller stehen, da sie sonst Tinte an die historischen Wandgemälde des Hauses gespritzt hätten. Die frisch vervielfältigten Textversionen wurden über Nacht zum Trocknen ausgelegt – und am Morgen von einer ahnungslosen Putzkolonne für Abfall gehalten und entsorgt.

Da auch die Hilfskräfte, von der Universität bereitgestellte Studentinnen und Studenten, zwischenzeitlich in einen Streik getreten waren, blieb Breuer und seinen Leuten am Tag der Unterzeichnung nichts anderes übrig, als unbedruckte Papierstapel auf die Tische der Staatsmänner zu legen. Lediglich Deckblatt und Rückseite waren echt.

Die turbulenten Tage von Rom zeigten schon vieles von dem, was Europa in den vergangenen sechs Jahrzehnten ausgemacht hat: Die Interessen mehrerer Staaten unter einen Hut zu bekommen ist harte Arbeit und erfordert einiges an Organisationstalent. Aber am Ende steht immer ein Kompromiss, ein Vertrag, ein gemeinsamer Schritt nach vorn. Die Zukunft ist offen, ein leeres Blatt Papier, das beschrieben, korrigiert und wieder neu gedruckt wird. Europa bleibt, auch nach 60 Jahren, ein unvollendetes Projekt, dessen Seiten von den Akteuren mit Leben gefüllt werden müssen.

© Torsten Meise, 2017

Titelmotiv concepts 1/2017
Titelmotiv concepts 1/2017

Titelmotiv concepts 1/2017

Autobahnbaustellen sind eine Seuche, wenn man schnell von A nach B kommen möchte. Aber natürlich sind sie notwendig, denn die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland wurde lange vernachlässigt und muss jetzt aufwendig saniert und ausgebaut werden. Während die öffentliche Hand dazu tendiert, eher kleine Autobahnabschnitte zu reparieren und damit manche Strecken über Jahrzehnte in eine Stauhölle verwandelt, gehen die teilweise praktizierten privat-öffentlichen Partnerschaften (ÖPP) einen anderen Weg: Hier werden innerhalb weniger Jahre zum Teil über 60 Kilometer lange Abschnitte an einem Stück umgebaut. Das ist für einige Jahre schmerzvoll, aber danach kann der Verkehr wieder für viele Jahre frei rollen.

Wie Staus vermindert werden

Wie eine solche Mega-Baustelle funktioniert, haben wir in der aktuellen Ausgabe des Hochtief-Kundenmagazins concepts unter die Lupe genommen. Autor Eric Leimann hat mit Experten aus Deutschland und Kanada gesprochen, um herauszufinden, wie solche Baustellen eingerichtet werden, um möglichst sicher zu sein und nicht allzu viel Staus zu produzieren. Ich hatte zusätzlich eine „Audienz“ beim deutschen Staupapst, Prof. Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen. Seine Botschaft: Alles könnte viel entspannter sein, wenn sich die Autofahrer in Baustellen rational verhalten würden und aufhören würden, zu überholen. Das Interview lesen Sie ebenfalls in dem Magazin.

Hotspot Berlin, concepts 1/2017

Hotspot Berlin, concepts 1/2017

Baustellen-Rundgang durch Berlin

Weitere Themen von concepts 1/2017: Auf dem relativ kleinen Stück Berlin zwischen Treptower Park und Mitte komprimiert sich die Geschichte der Hauptstadt. Hier findet man mehr als ein Jahrhundert gebauter und wieder abgerissener Historie, vom Kaiserreich bis heute. Hochtief hat seit dem Mauerfall viel dazu beigetragen, Ost und West zu verbinden und in der Stadt neue Gebäude und Bahnlinien geschaffen, die einen engen Bezug zur Geschichte haben. Auf einem kurzen Spaziergang durch die boomende Stadt habe ich nicht weniger als 16 Hotspots gefunden, bei denen Hochtief die Hand im Spiel hatte. Und ein paar weitere habe ich sogar noch ausgelassen.

Autobahnbaustellen besser gestalten, concepts 1/2017

Autobahnbaustellen besser gestalten, concepts 1/2017

Green Buildings werden immer wichtiger

Autor Jan Freitag hat sich der Frage gewidmet, welche Bedeutung nachhaltiges Bauen mitterweile für die Unternehmen der Hochtief Gruppe hat. Das Resultat: Green Buildings und Green Infrastructure werden zum Umsatztreiber, sowohl in Europa, Nordamerika als auch in Asien und Australien.

Autorin Kirstin Ruge hat sich für ihre Porträts wieder zwei außergewöhnliche Hochtief-Mitarbeiter geschnappt. Mit Karl-Heinz Siebenhütter erwischte sie einen echten Schafzüchter, und mit Nicola Howlett eine junge Australierin, die Straßenbauprojekte leitet und nebenher Brücken in Ruanda baut. Nicola ist übrigens auch das Cover-Model der aktuellen Ausgabe.

Folterkammer für Beton

Über Beton könnte man Bücher schreiben, und sie würden nicht langweilig werden. Also musste sich Autor Michael Brüggemann auf wenige Aspekte beschränken, um nicht den Rahmen zu sprengen. Von seinem Besuch im Innovation & Testing Center, wo über Beton geforscht und neue Mischungen ausprobiert werden, hat er einen tollen Einblick in das Material mitgebracht.

Wer jetzt auch noch wissen will, was eine „fliegende Schildanfahrt“ ist, wie der neue Star in der Skyline von Los Angeles heißt oder wie es mit der Digitalisierung im Facility Management aussieht, der muss das Heft selber lesen.

 

Interview Prof. Schreckenberg, concepts 1/2017

Interview Prof. Schreckenberg, concepts 1/2017

Credits:

Agentur: Hoffmann und Campe X
Grafik: Dirk Linke, RINGZWEI
Chefredaktion: Torsten Meise

 

Energie Zukunft (2017)
Energie Zukunft (2017)

Energie Zukunft (2017)

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts habe ich mich für den hessischen Klimatechnik-Spezialisten Viessmann mit der „Zukunft des Heizens und Kühlens“ beschäftigt. Den ersten Text (ERM-Medienpreis für nachhaltige Entwicklung 2010) finden Sie hier. Diesmal hat sich der Schwerpunkt geändert, denn die Klimatechnik steht vor einer Revolution. Auch die Infrastruktur des Heizens und Kühlens wird Teil des „Allesnetzes“, wie es durch das Internet der Dinge und die Digitalisierung des Analogen heranwächst. In der „Smart City“, die wir aus Gründen der Ressourceneffizienz benötigen, wird es interaktive Wärmenetze geben, ein Wärmeinternet, in das wir als Produzenten einspeisen und als Konsumenten entnehmen. Über all diesen Szenarien schwebt jedoch die Drohung vom Ende der Privatheit. Dieses Spannungsverhältnis habe ich versucht zu beschreiben.


 

Essay aus dem Buch:
Jürgen Petermann: Energie Zukunft. Effizienz und erneuerbare Energien im Wärmesektor. Viessmann 2017 (Eigenverlag)

Komfortzone oder Albtraum?

Heizen und Kühlen in den Städten der Zukunft

Technologieunternehmen konstruieren eine neue Welt: das Internet der Dinge. Saubere Energie zu nutzen, zu sparen und zu teilen wird darin so einfach wie nie. Bezahlen werden wir mit unserer Privatsphäre.

Tomoko Matsuka sitzt mit ihren zwei kleinen Kindern daheim am Küchentisch. „Ein Haus ist für mich ein Ort, an dem die Familie zusammen sein und zusammen lachen kann“, sagt die junge Mutter. Ganz offensichtlich ist sie zufrieden und glücklich mit der Entscheidung, 2014 als eine der ersten nach Fujisawa SST, in eine nagelneuen Siedlung rund 50 Kilometer südwestlich von Tokyo, gezogen zu sein.

Es ist nicht irgendein Bauprojekt, sondern eine „intelligente und nachhaltige Stadt“ (Smart Sustainable Town). Für Japan könnte sie wegweisend sein, denn nach dem Reaktorunfall von Fukushima orientiert sich die Gesellschaft neu. Junge Familien wie die von Tomoku Matsuka entwickeln ein verstärktes Bedürfnis nach Sicherheit und eine neue Sensibilität für ökologische Fragen. Und in der überalterten Gesellschaft des wirtschaftlich stagnierenden Inselstaates haben die Bedürfnisse junger Familien große Bedeutung gewonnen.

„Stadtplanung startet üblicherweise mit der Infrastruktur. Wir haben hingegen damit begonnen, uns einen neuen Lebensstil vorzustellen, bei dem sich Menschen an Nachhaltigkeit und smarten Technologien erfreuen können“, sagt Tomohiko Miyahara, Präsident der Fujisawa SST Management Company. Auch in 100 Jahren, wenn sich Ansprüche und Lebensstile verändert haben werden, soll Fujisawa SST noch die Bedürfnisse der Bewohner befriedigen. Es ist ein offenes System, ein Netz, das sich immer wieder erweitern und erneuern lässt.

Für das heutige Anspruchsniveau gibt es zunächst alles, was technisch und planerisch möglich ist, um Nachhaltigkeit in der Stadt zu leben. Die Häuser erzeugen solare Energie und können sie speichern. Auf Wunsch werden Brennstoffzellen integriert. Die gesamte Siedlung, am Ende auf eine Größe von 19 Hektar geplant, ist so gebaut, dass Sonne, Wind, Wasser und Umgebungstemperatur optimal in das passive Design der Häuser integriert sind. Die frische Brise vom nahen Pazifik kann ungehindert durch die zum Wasser hin ausgerichteten Straßen wehen und so für ein angenehmes Außenklima sorgen. Die Dächer der Einfamilienhäuser orientieren sich am Design traditioneller japanischer Strohdächer, weil so die dort angebrachten PV-Module optimal ausgelastet werden. Zwischen den Gebäuden gibt es zwar nur wenig Platz, aber dieser soll ausreichen, damit alle Fenster genug Sonnenlicht abbekommen, was Energie beim Heizen und Beleuchten spart. 70 Prozent weniger CO2-Ausstoß als in normalen Gebäuden, so lautet das Ziel der Planer.

Kern von Fujisawa SST ist ein Netz, das die gesamte technische Infrastruktur umfasst, überwacht und unterstützt. Stromerzeugung und Energiespeicherung, die Nutzung von Gas und Wasser, Heizungen und Kühlsysteme, die Steckdose für das E-Auto, der Kühlschrank, die Wohntemperatur, die Nutzungszeiten – im „Home Energy Management System“ läuft alles zusammen, was Familie Matsuka an Energie verbraucht.

In späteren Ausbaustufen wird dieses Netz auf die ganze Community ausgeweitet, so dass verschiedene Ressourcen getauscht und geteilt werden können. Alles ist einfach und transparent. Da alle jederzeit wissen, wer etwas benutzt und wer nicht, können sie Dinge, statt sie zu besitzen, untereinander tauschen – auch Energie: Wer Überschüsse produziert, dessen Strom wird von der Siedlung gewinnbringend vermarktet. Sparsamkeit soll sich lohnen. Wer dagegen zu viel Energie verbraucht, erhält von der Baugesellschaft gerne eine Beratung in Sachen energetischer Vernunft.

Gekoppelt ist das gesamte Netz mit der neuesten Sicherheitstechnologie. Fujisawa SST ist eine „virtually gated community“, eine nach außen hin virtuell abgeschlossene und bewachte Siedlung. Wer ihre Straßen betritt, wird von Überwachungskameras und Sicherheitspersonal sofort erfasst. Nach dem verheerenden Tsunami von 2011 ist auch an Notfälle gedacht. Sollte es zu einem schweren Erdbeben oder einem Tsunami kommen, kann Fujisawa SST drei Tage lang autonom weiterfunktionieren.

Das neue Hightech-Dorf ist ein Projekt von Panasonic. Der japanische Hersteller von Unterhaltungs- und anderer Elektronik hält die Mehrheit an der Betreibergesellschaft, liefert die smarte Technologie und managt die Siedlung. Und das bedeutet auch: Alle Lebensgewohnheiten, jede Bewegung und alles, was zukünftig über Kameras, Sensoren und die Gadgets im Internet der Dinge sichtbar wird, läuft als kontinuierlicher Datenstrom über die Server des Unternehmens. Das ist der Preis, den Fujisawa-Bewohner zahlen.

Der „neue Lebensstil“, den der Siedlungs-Chef Tomoko Matsuka, im Hauptberuf Panasonic-Manager, propagiert, umfasst intelligente Hardware und drahtlose Kommunikation mit dem Eigenheim, er reicht von der Vernetzung aller Bewohner bis hin zur Organisation des sozialen Lebens, seien es die Betreuung der Kinder oder der gemeinsame Ausflug mit dem lokalen Entertainment-Anbieter. Die Idee der „Smart City“, in der jede technische und energetische Variable mit dem sozialen Kapillarsystem verbunden ist, in der also die soziale, die technische und die natürliche Welt miteinander verschmelzen – diese Ausgeburt einer Brave New World ist in Fujisawa SST längst im Bau.

Und das nicht nur in Japan. „Nest Labs“ heißt eine der Baustellen auf der anderen Seite des Pazifik, im Silicon Valley. Noch ist das Angebot dieser Firma überschaubar: ein kleiner, intelligenter Thermostat und ein etwas getunter Rauchmelder, mehr nicht. Die Geräte verbinden sich mit dem heimischen WLan und ermöglichen es dem Besitzer, über die Smartphone-App die Heizung des Hauses fernzusteuern oder Alarmmeldungen zu empfangen. Der schlaue Thermostat merkt, ob jemand zu Hause ist, und senkt die Temperatur ab, wenn keiner da ist. Mehr nicht.

Doch wenn es mehr nicht wäre, was hinter „Nest Labs“ steckt, hätte der Internetkonzern Google 2014 wohl kaum 3,2 Milliarden US-Dollar für den Kauf der Start-up-Firma bezahlt. Matt Rogers und Tony Fadell, zuvor als Entwickler bei Apple im Geschäft, hatten die Firma vier Jahre zuvor gegründet. Jetzt dürfen sie mit dem mittlerweile unbestritten mächtigsten Unternehmen der Welt ihre Pläne weitertreiben.

Schlaue Thermostate und kleine Rauchmelder, die mehr können als nervig zu piepen, wenn in der Küche das Fleisch zu scharf angebraten wird, sind erst der Anfang einer Entwicklung, bei der die Gegenstände des alltäglichen Lebens Teil des globalen Datennetzes werden. Der mit dem Internet verbundene Kühlschrank, der beim lokalen Supermarkt Milch und Butter nachbestellt, ist zwar zum Running Gag verkommen. Doch die Musik spielt längst bei nützlicheren Gadgets wie von „Nest Lab“ und bei den Siedlungsprojekten wie Fujisawa SST: Da geht es um Energieverbrauch und Energieeffizienz, um die vernetzte Produktion und Verteilung von Strom, Wärme, Kälte oder Kraftstoff – alles Dinge, die wichtiger sind als automatische Milchbestellungen, die niemand baucht. Die Entwicklung nachhaltigerer Lebensformen ist jedenfalls nicht denkbar ohne die Verarbeitung großer Datenströme in Rechenzentren und ohne die Cloud.

Die Integration in ein übergeordnetes Wissensnetz, das die bislang getrennten Sektoren von Energieerzeugung und -verbrauch miteinander verbindet, erweist sich als Megatrend bei der sich entfaltenden Zukunft des Heizens und Kühlens. Wenn der Stromverbraucher befähigt wird, mit dem Heizungssystem zu kommunizieren, wenn die Infrastruktur in der Lage ist, zu erkennen, ob jemand in der Wohnung ist, und sich dann selbst entsprechend steuert, wenn das System lernfähig wird und Gewohnheiten und Nutzungsmuster erkennen kann, dann eröffnet all das neue Chancen für Ressourceneffizienz.

Energie Zukunft (2017)

Energie Zukunft (2017)

(…)

Wo neue Stadtteile entstehen oder bestehende grundlegend modernisiert werden, wird es auch für Wärme neue Netze geben. Solche Nahwärmenetze werden keine Einbahnstraßen sein, über die Wärme lediglich verteilt wird, vielmehr werden die angeschlossenen Gebäude in der Lage sein, Wärme untereinander zu tauschen.

Ein solches interaktives Nahwärmenetz wurde beispielsweise 2013 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg eingerichtet. Das Pilotprojekt entstand in der Wilhelmsburger Mitte, einem neu entwickelten Modellquartier mit verschiedensten Gebäudetypen und -nutzern im Süden von Hamburg. Alle neu errichteten Gebäude sind über das Wärmenetz an einen Verbund angeschlossen und können daraus Energie beziehen oder selbst erzeugte Wärme aus erneuerbaren Energien einspeisen. Durch die Möglichkeit des Austauschs von Wärmeenergie konnten z. B. solarthermische Anlagen optimaler dimensioniert und ihr Anteil am Energiemix gesteigert werden.

Gesteuert wird das virtuelle Kraftwerk von einer Energiezentrale im Quartier. Ein Blockheizkraftwerk, das die Wärme für die Grundlast und für Spitzenlasten erzeugt, wird mit Biomethan befeuert, das in einer benachbarten Kläranlage aus Faulgas gewonnen wird. Etwa 20 Verbundteilnehmer sind an das Nahwärmenetz angeschlossen, das bei allem technischen Fortschritt nach wie vor einen Mangel aufweist: Noch immer gibt es zu wenige Speichermöglichkeiten für Wärme. Die aber wären nötig, um Schwankungen bei Produktion ud Nachfrage auszugleichen.

Digital gesteuerte Energienetze, wie sie im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg im Kleinen schon erprobt sind, werden sich in einem ins Gigantische gesteigerten Maßstab über die ganze Welt ausbreiten. Rund um den Globus sind auf dem Reißbrett entworfene Smart Citys in der Planung oder im Bau, in denen Menschen mit Wärme oder Kühlung, mit Strom und Fortbewegung versorgt werden müssen.

(…)

Angesichts der Wachstumsdynamik von Megacitys und Megaregionen erscheint eine lebenswerte urbane Infrastruktur oder gar „grüne“ Planung als unerreichbare Utopie. Doch die Gegenentwürfe gibt es schon: die ressourcenschonende Smart City ist bereits vielerorts zum realisierbaren Geschäftsmodell geworden. Mehr als hundert neue Smart Citys werden in den kommenden Jahren gebaut werden – ein Multimilliarden-Dollar-Markt der Zukunft.

Innerhalb der nächsten zwei Dekaden werden nach derzeitigen Schätzungen eine Milliarde Menschen zusätzlich in urbane Regionen strömen und dort Wohnraum, Nahrung und Energie benötigen. Unter diesem Ansturm haben Städte keine Chance mehr, über Jahrhunderte organisch zu wachsen. Die neuen Retortenstädte werden in Labors geplant und innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und müssen dann funktionieren. Die entsprechenden Blaupausen liegen vor, die notwendige Technik ist vorhanden. Vor allem die großen Technologiekonzerne wie IBM, Cisco, Google, Panasonic, Siemens oder Bosch drängen derzeit mit Macht in die Märkte von Bauen und Wohnen.

Kritiker wie der amerikanische Urbanist Adam Greenfield sehen deutlich die Schattenseiten dieser Entwicklung. In seiner Schmähschrift „Against the Smart City“ setzte der Publizist sich 2013 mit Projekten wie Songdo in Südkorea, Sir Norman Fosters Wissenschaftsstadt Masdar City in Abu Dhabi und der portugiesischen Siedlung PlanIT Valley auseinander. Greenfield arbeitet darin ein Muster heraus, nach dem die Projekte im Wesentlichen auf ähnlichen Prinzipien fußen:

  • Sie sind privatwirtschaftlich organisiert. Bau und Betrieb der Stadt, die auf der „grünen Wiese“ entsteht, sind rein ökonomisch orientierte Unternehmungen.
  • Eine zentrale, eigentümergesteuerte IT-Infrastruktur, die von einem großen Technologieunternehmen realisiert wird, durchzieht die Stadt.
  • Die Zentrale bedient sich eines alles umspannenden, allgegenwärtigen Netzes von Sensoren, Kameras und Überwachungstechnik, für die der Begriff „ubiquitäre Stadt“ geprägt wurde.

Die Smart City Songdo, eines der von Greenfield untersuchten Beispiele, wird bereits seit 2003 auf einer dem Wattenmeer abgerungenen Polderfläche realisiert. Der Songdo International Business District (Songdo IBD), so der offizielle Name, ist Teil einer Freihandelszone. Bis zum Jahre 2020 soll Songdo 340 000 Arbeitsplätze bieten und Wohnort für bis zu 70 000 Menschen sein. Die Smart City ist ein Kooperationsprojekt eines koreanischen Unternehmens und des amerikanischen Bauträgers Gale International. Die Planungen stammen von der US-Architektengruppe Kohn Pedersen Fon (KPF). „Songdos Masterplan repliziert die Form einer mittelgroßen amerikanischen Stadt zur Mitte des 20. Jahrhunderts“, kritisiert Greenfield. Mit diesem Vorwurf hätten die Planer allerdings kein Problem. Sie haben die Struktur der Stadt nach realen Vorbildern komponiert: ein wenig Seoul hier, ein wenig New York dort. Songdo ist so etwas wie der Prototyp eines international verwertbaren Smart-City-Modells. Es soll schon nach Ecuador verkauft worden sein, auch der Jemen und Vietnam zeigen Interesse. Retortenstädte wie Songdo entstehen derzeit in vielen Weltgegenden, vor allem in Asien. Indien will in nächster Zukunft einhundert Smart Citys bauen, in China stehen schon die ersten Exemplare wie die Tianjin Eco-City.

Versorgungstechnisch gesehen bietet Songdo exakt das, was man von einer smarten Stadt erwartet. Mit Flüssiggas betriebene Blockheizkraftwerke beliefern die Gebäude mit Strom und Wärme. Der als LNG (Liquid Natural Gas) bekannte Brennstoff zählt nicht zu den erneuerbaren Energien, verbrennt jedoch sauberer als andere fossile Energieträger. Die Energieeffizienz von Songdo soll um 30 Prozent besser sein als die vergleichbarer Agglomerationen.

Das wahre Herz der Stadt ist ein von Cisco geliefertes IT-System, das tausende Kameras und abertausende Sensoren verbindet. In jeder Behausung können die Bewohner jederzeit die aktuellen Verbrauchsdaten abrufen. Sie können aber auch per Videokamera die Spielplätze zwischen den Gebäuden einsehen, wenn ihre Kinder draußen sind. Sämtliche Straßen und Wege werden von Kameras überwacht. Wer falsch parkt, dessen Kennzeichen wird in der Zentrale registriert und erhält automatisch ein Strafticket zugestellt. Wer bei der Polizei auffällig geworden ist, wird besonders überwacht. In dieser Stadt passiert nicht viel, ohne dass es jemand mitbekommt.

Die meisten Kommentatoren und Beobachter sehen darin nichts Schlimmes. Bei der Auswahl der „World‘s best Cities“ im Jahr 2014 gefiel der amerikanischen „National Geographic Society“ vor allem, dass der Müll in den Häusern direkt in ein Vakuumsystem geworfen wird und Mülltonnen deshalb nicht mehr von Müllmännern abgeholt werden müssen. Und bereits 2012 erhielt Songdo so etwas wie den Ritterschlag der Weltgemeinschaft: Die UN verlegte den Sitz ihres wichtigen Klimafonds (um den sich beispielsweise auch Bonn beworben hatte) in die südkoreanische Stadt.

Einige Zukunfts-Seher blicken geradezu enthusiastisch auf diese Komfortzonen der Nachhaltigkeit, in denen alles mit allem vernetzt ist und in denen das Energiesystem eine entscheidende Rolle spielen wird. „Das Stromnetz ist selbst eine Art soziales Netzwerk geworden“, schwärmt der Biologe und Publizist Christian Schwägerl in einem Szenario seines Buches „Die analoge Revolution“, „denn statt der Großkonzerne erzeugen die Bürger ihre Energie selbst. Ihre Häuser haben Fassaden aus nachwachsenden Algen und Dächer aus organischen Solarzellen, Batterien und Wassertanks speichern Erdwärme und überschüssigen Windstrom.“

Fürs erste ist unentschieden, welche Variante künftigen Lebens in den Städten obsiegen wird. Nach allem, was sich darüber sagen lässt, bieten sie sowohl die Chance auf weitgehend nachhaltige Städte für die neue Milliarde, die auf Wohlstand und urbanes Leben dringt, als auch auf die Dystopie einer total kontrollierten Gesellschaft. Eines Morgens könnte Tomoko Matsuka mit ihren zwei kleinen Kindern daheim am Küchentisch sitzen und nicht mehr wissen, ob sie in einen Traum oder einen Albtraum gezogen ist.

© Torsten Meise 2016