Beiträge

Pumpen für den Pott. RAG-Stiftung Geschäftsbericht 2016

Für mich als Kind des Ruhrgebiets ist dieses Thema quasi ein Heimspiel: Was sind eigentlich die Ewigkeitsaufgaben des deutschen Steinkohlebergbaus? Was passiert da? Zum Beispiel bei der Grubenwasserhaltung. Kann man da nicht einfach einen Deckel drauf machen, und gut ist?

Hl. Barbara

Hl. Barbara auf Zeche Carolinenglück

Um das wirklich einmal konkret zu machen, bin ich nach Bochum gefahren und habe mir mit den Spezialisten der RAG das ehemalige Bergwerk Carolinenglück (schöner Name, oder?) angesehen. Dort findet man schon eine neue Generation an Pumpen, wie sie nach dem Ende des Steinkohlebergbaus Ende 2018 überall im Ruhrgebiet zur Grubenwasserhaltung installiert werden. Es sind Tauchpumpen, die in ehemalige Schächte gehängt werden. Sie sollen dafür sorgen, dass das Tiefenwasser kontrolliert steigt, wenn die Stollen langsam geflutet werden.

Wasserhaltung, warum?

Für die nicht-Ruhrgebietler: Um unter Tage Kohle fördern zu können, muss dort entwässert werden. Dafür haben die Bergwerke über die Jahrhunderte eine komplexe Infrastruktur aufgebaut. Ganz unten in den Bergwerken standen riesige Pumpen, die das Wasser an die Oberfläche brachten, wo es über Ruhr und Emscher abgeführt wurde. Die Kohleschichten senken sich Richtung Norden immer weiter ab, so dass zuletzt auf 1200 Meter Tiefe abgebaut wurde. Das kann man nicht vor Ort abpumpen, dafür benötigt man ein ganzes Netz von Wasserhaltungsstandorten im Ruhrgebiet. Wenn die Zeche Prosper in Bottrop Ende 2018 schließt, beginnt eine neue Zeitrechnung der Wasserhaltung. Das Tiefenwasser kann wieder steigen, soll aber aber auf etwa 400 Meter gestoppt werden, um es vom Grundwasser (Trinkwasser) fernzuhalten. Dafür gibt es dann die neuen Tauchpumpen.

Ewigkeitsaufgaben

Die Kontrolle des Tiefenwassers ist eine von drei Ewigkeitsaufgaben. Bei den anderen beiden geht um die Reinigung dauerhaft verschmutzter Grundwasserbereiche und um die Entwässerung des Ruhrgebiets, das ja durch den Abbau der Kohleschichten abgesackt ist und ansonsten einfach voll Wasser laufen würde.

Der Text erschien im Geschäftsbericht 2016 der RAG-Stiftung:

Pumpen für den Pott. RAG-Stiftung Geschäftsbericht 2016

Ewigkeitsaufgaben: Pumpen für den Pott. RAG-Stiftung Geschäftsbericht 2016

 

Unter Tage auf Zeche Zollverein

Bereits für den Geschäftsbericht 2015 war ich übrigens auf der untersten Sohle der Zeche Zollverein in Essen unterwegs, um ein Bild von dem „alten“ System zu bekommen. Auf 950 Metern Tiefe werkeln da massive Pumpen und heben enorme Wassermassen. Noch. Denn nicht mehr lange, und da unten ist alles voller Wasser. Auch hier wird es dann nur noch die Tauchpumpen geben, die von über Tage bedient werden.

Zeche Zollverein.

Zeche Zollverein

Was Experten dazu sagen

Ach ja, und für den Geschäftsbericht 2014 der RAG-Stiftung habe ich Prof. Dr. Christian Melchers von der TFH Georg Agricola in Bochum interviewt. Der Professor für Geoingenieurwesen und Nachbergbau hat sehr genau erklärt, was die Ewigkeitsaufgaben sind – und warum sie ewig sind und nicht irgendwann aufhören.

 

Interview Prof. Dr. Christian Melchers

Interview Prof. Dr. Christian Melchers