Wie smart sind Immobilien-Investoren?

FAZ_29.09.17 Ist die smarte Stadt interessant für Investoren?

Pünktlich zur EXPO REAL in München wollte die FAZ-Tochter FAZIT Communication wissen, ob das Thema Smart City bereits für Immobilieninvestoren interessant sei. Ich fand die Frage auch spannend, ohne sie unmittelbar beantworten zu können. Also habe ich mit ein paar Experten in diesem Bereich gesprochen. Und herausgefunden: Na ja, die dicken Fische der Branche finden die clevere Stadt zwar sehr spannend, verorten das Thema aber noch in der Zukunft. Ein paar Wohnungsbaugesellschaften jedoch sind Early Adopter und fangen an, neue Projekte mit der Stadt zu vernetzen. Zum Beispiel in Berlin, aber auch in Hamburg.

Smart Cities: Verhältnisse verschieben sich

Das ist ein interessantes Ergebnis: Die Kleinen gehen voran, die Großen warten ab. Allerdings könnte die digitale Transformation der Städte schon bald dazu führen, dass Lagen neu bewertet werden und bislang unbeachtete Standorte an Bedeutung gewinnen. Der Wettbewerb der Städte läuft, und es nicht gesagt, dass es die Metropolen sind, die am Ende die besseren Konzepte haben. Das sollten auch die großen Unternehmen der Branche und die Immobilienfonds im Auge behalten. Wenn ich Investor wäre, ich würde mir die technologische Komponente der Stadtentwicklung genauer ansehen.

Politics matters: Thema Stadtentwicklung vor der Renaissance

Ohne Rahmenbedingungen, ohne Flexibilität in Politik und Verwaltung lässt sich die Stadt nicht erneuern. Der lokalen Politik kommt bei der Smart City deshalb eine besondere Bedeutung zu. Planung und Entwicklung auf kommunaler Ebener werden noch wichtiger. Sie benötigen aber auch wache Investoren, die bereit sind, ins Risiko zu gehen. Das steht so nicht im Artikel, wäre aber eine Fortsetzung, die geschrieben werden müsste. Ich bleibe dran, kontakten Sie mich.

 

 

FAZ_29.09.17 Ist die smarte Stadt interessant für Investoren?

FAZ_29.09.17 Ist die smarte Stadt interessant für Investoren?

60 Jahre Römische Verträge – Chaostage am Kapitol

Magazin zur Europawoche 2017
Magazin zur Europawoche 2017

Magazin zur Europawoche 2017

Die Europawoche in Hamburg bietet jedes Jahr im Mai zahlreiche Anlässe, sich mit Themen der Europäischen Union und generell mit politischen und kulturellen Themen auseinanderzusetzen. Das Programmheft sammelt nicht nur die Veranstaltungen der Europawoche, sondern versucht auch, die Bezüge zwischen der Hansestadt und der EU herauszuarbeiten. 2017 steht das Heft unter dem Eindruck des nahenden G20-Gipfels in den Messehallen, aber auch der Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren. Letzteres war eine denkwürdige Veranstaltung, die bereits vieles von dem widerspiegelte, was Europa bis heute ausmacht. Ich habe für das Progammheft, neben anderen Geschichten, einen kleinen Text über den damaligen Gipfel geschrieben.

 

Chaostage am Kapitol

Die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren markiert die Geburtsstunde der Europäischen Union. Die Zusammenarbeit der Nationen begann eher holprig. Und wohl mit jeder Menge unbedruckter Seiten.

In Rom regnete es in Strömen, als sich die Regierungschefs von Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg und West-Deutschland am Abend des 25. März 1957 auf dem Kapitolshügel zur Unterzeichnungszeremonie versammelt hatten. Im prächtigen Horatier-und-Curiatier-Saal, heute Teil der Kapitolinischen Museen, unterschrieben sie vor 500 Fotografen drei Verträge: einen über die Einrichtung einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), einen über die Gründung einer Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) sowie das Abkommen über gemeinsame Organe für die Europäischen Gemeinschaften.

Ein historisches Ereignis, denn die Verträge bilden das Fundament einer überstaatlichen Organisation in Europa, der heutigen EU. Trotzdem war der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer nicht gut aufgelegt. „Ich weiß nicht einmal, was ich alles unterschrieben habe“, soll er gestöhnt haben. So jedenfalls verbreitete es damals Der Spiegel, der sich nie eine Spitze gegen den Kanzler entgehen ließ. Doch was auch die Hamburger Journalisten nicht ahnten: Die großen dekorativen Papierstapel, auf die die Staatsmänner ihre Unterschriften gesetzt hatten, bestanden wohl größtenteils aus unbedruckten Blättern. Das war keine böse Absicht, sondern Resultat einer Kette unglücklicher Ereignisse.

Europa, das leere Blatt

Europa, das leere Blatt

Albert Breuer war Mitarbeiter der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), einer ersten Keimzelle Europas, die den Markt für Kohle und Stahl regulierte. Im Frühjahr 1957 war er unter anderem dafür zuständig, die Zeremonie in Rom wie geplant über die Bühne zu bringen. Vor einigen Jahren enthüllte er, wie es dabei drunter und drüber ging.

Während der Tag der Unterschrift immer näher rückte, stritten die Experten im fernen Brüssel immer noch über letzte Formulierungen. Vor 60 Jahren, als es noch kein Internet und kein Fax gab, stürzte das die Mannschaft in Rom nach und nach ins Chaos. Jedes Mal, wenn auf dem Kapitolshügel das Telefon klingelte, mussten wieder Passagen in den Vertragstexten erneuert, in vier Sprachen übersetzt, geschrieben und neu gedruckt werden. Die Vervielfältigungsmaschinen, per Zug nach Rom gebracht, durften jedoch nur im feuchten Keller stehen, da sie sonst Tinte an die historischen Wandgemälde des Hauses gespritzt hätten. Die frisch vervielfältigten Textversionen wurden über Nacht zum Trocknen ausgelegt – und am Morgen von einer ahnungslosen Putzkolonne für Abfall gehalten und entsorgt.

Da auch die Hilfskräfte, von der Universität bereitgestellte Studentinnen und Studenten, zwischenzeitlich in einen Streik getreten waren, blieb Breuer und seinen Leuten am Tag der Unterzeichnung nichts anderes übrig, als unbedruckte Papierstapel auf die Tische der Staatsmänner zu legen. Lediglich Deckblatt und Rückseite waren echt.

Die turbulenten Tage von Rom zeigten schon vieles von dem, was Europa in den vergangenen sechs Jahrzehnten ausgemacht hat: Die Interessen mehrerer Staaten unter einen Hut zu bekommen ist harte Arbeit und erfordert einiges an Organisationstalent. Aber am Ende steht immer ein Kompromiss, ein Vertrag, ein gemeinsamer Schritt nach vorn. Die Zukunft ist offen, ein leeres Blatt Papier, das beschrieben, korrigiert und wieder neu gedruckt wird. Europa bleibt, auch nach 60 Jahren, ein unvollendetes Projekt, dessen Seiten von den Akteuren mit Leben gefüllt werden müssen.

© Torsten Meise, 2017

Hochtief concepts 1/2017: Baustellen besser managen

Titelmotiv concepts 1/2017
Titelmotiv concepts 1/2017

Titelmotiv concepts 1/2017

Autobahnbaustellen sind eine Seuche, wenn man schnell von A nach B kommen möchte. Aber natürlich sind sie notwendig, denn die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland wurde lange vernachlässigt und muss jetzt aufwendig saniert und ausgebaut werden. Während die öffentliche Hand dazu tendiert, eher kleine Autobahnabschnitte zu reparieren und damit manche Strecken über Jahrzehnte in eine Stauhölle verwandelt, gehen die teilweise praktizierten privat-öffentlichen Partnerschaften (ÖPP) einen anderen Weg: Hier werden innerhalb weniger Jahre zum Teil über 60 Kilometer lange Abschnitte an einem Stück umgebaut. Das ist für einige Jahre schmerzvoll, aber danach kann der Verkehr wieder für viele Jahre frei rollen.

Wie Staus vermindert werden

Wie eine solche Mega-Baustelle funktioniert, haben wir in der aktuellen Ausgabe des Hochtief-Kundenmagazins concepts unter die Lupe genommen. Autor Eric Leimann hat mit Experten aus Deutschland und Kanada gesprochen, um herauszufinden, wie solche Baustellen eingerichtet werden, um möglichst sicher zu sein und nicht allzu viel Staus zu produzieren. Ich hatte zusätzlich eine „Audienz“ beim deutschen Staupapst, Prof. Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen. Seine Botschaft: Alles könnte viel entspannter sein, wenn sich die Autofahrer in Baustellen rational verhalten würden und aufhören würden, zu überholen. Das Interview lesen Sie ebenfalls in dem Magazin.

Hotspot Berlin, concepts 1/2017

Hotspot Berlin, concepts 1/2017

Baustellen-Rundgang durch Berlin

Weitere Themen von concepts 1/2017: Auf dem relativ kleinen Stück Berlin zwischen Treptower Park und Mitte komprimiert sich die Geschichte der Hauptstadt. Hier findet man mehr als ein Jahrhundert gebauter und wieder abgerissener Historie, vom Kaiserreich bis heute. Hochtief hat seit dem Mauerfall viel dazu beigetragen, Ost und West zu verbinden und in der Stadt neue Gebäude und Bahnlinien geschaffen, die einen engen Bezug zur Geschichte haben. Auf einem kurzen Spaziergang durch die boomende Stadt habe ich nicht weniger als 16 Hotspots gefunden, bei denen Hochtief die Hand im Spiel hatte. Und ein paar weitere habe ich sogar noch ausgelassen.

Autobahnbaustellen besser gestalten, concepts 1/2017

Autobahnbaustellen besser gestalten, concepts 1/2017

Green Buildings werden immer wichtiger

Autor Jan Freitag hat sich der Frage gewidmet, welche Bedeutung nachhaltiges Bauen mitterweile für die Unternehmen der Hochtief Gruppe hat. Das Resultat: Green Buildings und Green Infrastructure werden zum Umsatztreiber, sowohl in Europa, Nordamerika als auch in Asien und Australien.

Autorin Kirstin Ruge hat sich für ihre Porträts wieder zwei außergewöhnliche Hochtief-Mitarbeiter geschnappt. Mit Karl-Heinz Siebenhütter erwischte sie einen echten Schafzüchter, und mit Nicola Howlett eine junge Australierin, die Straßenbauprojekte leitet und nebenher Brücken in Ruanda baut. Nicola ist übrigens auch das Cover-Model der aktuellen Ausgabe.

Folterkammer für Beton

Über Beton könnte man Bücher schreiben, und sie würden nicht langweilig werden. Also musste sich Autor Michael Brüggemann auf wenige Aspekte beschränken, um nicht den Rahmen zu sprengen. Von seinem Besuch im Innovation & Testing Center, wo über Beton geforscht und neue Mischungen ausprobiert werden, hat er einen tollen Einblick in das Material mitgebracht.

Wer jetzt auch noch wissen will, was eine „fliegende Schildanfahrt“ ist, wie der neue Star in der Skyline von Los Angeles heißt oder wie es mit der Digitalisierung im Facility Management aussieht, der muss das Heft selber lesen.

 

Interview Prof. Schreckenberg, concepts 1/2017

Interview Prof. Schreckenberg, concepts 1/2017

Credits:

Agentur: Hoffmann und Campe X
Grafik: Dirk Linke, RINGZWEI
Chefredaktion: Torsten Meise

 

Smart City zwischen Dystopie und Nachhaltigkeit

Energie Zukunft (2017)
Energie Zukunft (2017)

Energie Zukunft (2017)

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts habe ich mich für den hessischen Klimatechnik-Spezialisten Viessmann mit der „Zukunft des Heizens und Kühlens“ beschäftigt. Den ersten Text (ERM-Medienpreis für nachhaltige Entwicklung 2010) finden Sie hier. Diesmal hat sich der Schwerpunkt geändert, denn die Klimatechnik steht vor einer Revolution. Auch die Infrastruktur des Heizens und Kühlens wird Teil des „Allesnetzes“, wie es durch das Internet der Dinge und die Digitalisierung des Analogen heranwächst. In der „Smart City“, die wir aus Gründen der Ressourceneffizienz benötigen, wird es interaktive Wärmenetze geben, ein Wärmeinternet, in das wir als Produzenten einspeisen und als Konsumenten entnehmen. Über all diesen Szenarien schwebt jedoch die Drohung vom Ende der Privatheit. Dieses Spannungsverhältnis habe ich versucht zu beschreiben.


 

Essay aus dem Buch:
Jürgen Petermann: Energie Zukunft. Effizienz und erneuerbare Energien im Wärmesektor. Viessmann 2017 (Eigenverlag)

Komfortzone oder Albtraum?

Heizen und Kühlen in den Städten der Zukunft

Technologieunternehmen konstruieren eine neue Welt: das Internet der Dinge. Saubere Energie zu nutzen, zu sparen und zu teilen wird darin so einfach wie nie. Bezahlen werden wir mit unserer Privatsphäre.

Tomoko Matsuka sitzt mit ihren zwei kleinen Kindern daheim am Küchentisch. „Ein Haus ist für mich ein Ort, an dem die Familie zusammen sein und zusammen lachen kann“, sagt die junge Mutter. Ganz offensichtlich ist sie zufrieden und glücklich mit der Entscheidung, 2014 als eine der ersten nach Fujisawa SST, in eine nagelneuen Siedlung rund 50 Kilometer südwestlich von Tokyo, gezogen zu sein.

Es ist nicht irgendein Bauprojekt, sondern eine „intelligente und nachhaltige Stadt“ (Smart Sustainable Town). Für Japan könnte sie wegweisend sein, denn nach dem Reaktorunfall von Fukushima orientiert sich die Gesellschaft neu. Junge Familien wie die von Tomoku Matsuka entwickeln ein verstärktes Bedürfnis nach Sicherheit und eine neue Sensibilität für ökologische Fragen. Und in der überalterten Gesellschaft des wirtschaftlich stagnierenden Inselstaates haben die Bedürfnisse junger Familien große Bedeutung gewonnen.

„Stadtplanung startet üblicherweise mit der Infrastruktur. Wir haben hingegen damit begonnen, uns einen neuen Lebensstil vorzustellen, bei dem sich Menschen an Nachhaltigkeit und smarten Technologien erfreuen können“, sagt Tomohiko Miyahara, Präsident der Fujisawa SST Management Company. Auch in 100 Jahren, wenn sich Ansprüche und Lebensstile verändert haben werden, soll Fujisawa SST noch die Bedürfnisse der Bewohner befriedigen. Es ist ein offenes System, ein Netz, das sich immer wieder erweitern und erneuern lässt.

Für das heutige Anspruchsniveau gibt es zunächst alles, was technisch und planerisch möglich ist, um Nachhaltigkeit in der Stadt zu leben. Die Häuser erzeugen solare Energie und können sie speichern. Auf Wunsch werden Brennstoffzellen integriert. Die gesamte Siedlung, am Ende auf eine Größe von 19 Hektar geplant, ist so gebaut, dass Sonne, Wind, Wasser und Umgebungstemperatur optimal in das passive Design der Häuser integriert sind. Die frische Brise vom nahen Pazifik kann ungehindert durch die zum Wasser hin ausgerichteten Straßen wehen und so für ein angenehmes Außenklima sorgen. Die Dächer der Einfamilienhäuser orientieren sich am Design traditioneller japanischer Strohdächer, weil so die dort angebrachten PV-Module optimal ausgelastet werden. Zwischen den Gebäuden gibt es zwar nur wenig Platz, aber dieser soll ausreichen, damit alle Fenster genug Sonnenlicht abbekommen, was Energie beim Heizen und Beleuchten spart. 70 Prozent weniger CO2-Ausstoß als in normalen Gebäuden, so lautet das Ziel der Planer.

Kern von Fujisawa SST ist ein Netz, das die gesamte technische Infrastruktur umfasst, überwacht und unterstützt. Stromerzeugung und Energiespeicherung, die Nutzung von Gas und Wasser, Heizungen und Kühlsysteme, die Steckdose für das E-Auto, der Kühlschrank, die Wohntemperatur, die Nutzungszeiten – im „Home Energy Management System“ läuft alles zusammen, was Familie Matsuka an Energie verbraucht.

In späteren Ausbaustufen wird dieses Netz auf die ganze Community ausgeweitet, so dass verschiedene Ressourcen getauscht und geteilt werden können. Alles ist einfach und transparent. Da alle jederzeit wissen, wer etwas benutzt und wer nicht, können sie Dinge, statt sie zu besitzen, untereinander tauschen – auch Energie: Wer Überschüsse produziert, dessen Strom wird von der Siedlung gewinnbringend vermarktet. Sparsamkeit soll sich lohnen. Wer dagegen zu viel Energie verbraucht, erhält von der Baugesellschaft gerne eine Beratung in Sachen energetischer Vernunft.

Gekoppelt ist das gesamte Netz mit der neuesten Sicherheitstechnologie. Fujisawa SST ist eine „virtually gated community“, eine nach außen hin virtuell abgeschlossene und bewachte Siedlung. Wer ihre Straßen betritt, wird von Überwachungskameras und Sicherheitspersonal sofort erfasst. Nach dem verheerenden Tsunami von 2011 ist auch an Notfälle gedacht. Sollte es zu einem schweren Erdbeben oder einem Tsunami kommen, kann Fujisawa SST drei Tage lang autonom weiterfunktionieren.

Das neue Hightech-Dorf ist ein Projekt von Panasonic. Der japanische Hersteller von Unterhaltungs- und anderer Elektronik hält die Mehrheit an der Betreibergesellschaft, liefert die smarte Technologie und managt die Siedlung. Und das bedeutet auch: Alle Lebensgewohnheiten, jede Bewegung und alles, was zukünftig über Kameras, Sensoren und die Gadgets im Internet der Dinge sichtbar wird, läuft als kontinuierlicher Datenstrom über die Server des Unternehmens. Das ist der Preis, den Fujisawa-Bewohner zahlen.

Der „neue Lebensstil“, den der Siedlungs-Chef Tomoko Matsuka, im Hauptberuf Panasonic-Manager, propagiert, umfasst intelligente Hardware und drahtlose Kommunikation mit dem Eigenheim, er reicht von der Vernetzung aller Bewohner bis hin zur Organisation des sozialen Lebens, seien es die Betreuung der Kinder oder der gemeinsame Ausflug mit dem lokalen Entertainment-Anbieter. Die Idee der „Smart City“, in der jede technische und energetische Variable mit dem sozialen Kapillarsystem verbunden ist, in der also die soziale, die technische und die natürliche Welt miteinander verschmelzen – diese Ausgeburt einer Brave New World ist in Fujisawa SST längst im Bau.

Und das nicht nur in Japan. „Nest Labs“ heißt eine der Baustellen auf der anderen Seite des Pazifik, im Silicon Valley. Noch ist das Angebot dieser Firma überschaubar: ein kleiner, intelligenter Thermostat und ein etwas getunter Rauchmelder, mehr nicht. Die Geräte verbinden sich mit dem heimischen WLan und ermöglichen es dem Besitzer, über die Smartphone-App die Heizung des Hauses fernzusteuern oder Alarmmeldungen zu empfangen. Der schlaue Thermostat merkt, ob jemand zu Hause ist, und senkt die Temperatur ab, wenn keiner da ist. Mehr nicht.

Doch wenn es mehr nicht wäre, was hinter „Nest Labs“ steckt, hätte der Internetkonzern Google 2014 wohl kaum 3,2 Milliarden US-Dollar für den Kauf der Start-up-Firma bezahlt. Matt Rogers und Tony Fadell, zuvor als Entwickler bei Apple im Geschäft, hatten die Firma vier Jahre zuvor gegründet. Jetzt dürfen sie mit dem mittlerweile unbestritten mächtigsten Unternehmen der Welt ihre Pläne weitertreiben.

Schlaue Thermostate und kleine Rauchmelder, die mehr können als nervig zu piepen, wenn in der Küche das Fleisch zu scharf angebraten wird, sind erst der Anfang einer Entwicklung, bei der die Gegenstände des alltäglichen Lebens Teil des globalen Datennetzes werden. Der mit dem Internet verbundene Kühlschrank, der beim lokalen Supermarkt Milch und Butter nachbestellt, ist zwar zum Running Gag verkommen. Doch die Musik spielt längst bei nützlicheren Gadgets wie von „Nest Lab“ und bei den Siedlungsprojekten wie Fujisawa SST: Da geht es um Energieverbrauch und Energieeffizienz, um die vernetzte Produktion und Verteilung von Strom, Wärme, Kälte oder Kraftstoff – alles Dinge, die wichtiger sind als automatische Milchbestellungen, die niemand baucht. Die Entwicklung nachhaltigerer Lebensformen ist jedenfalls nicht denkbar ohne die Verarbeitung großer Datenströme in Rechenzentren und ohne die Cloud.

Die Integration in ein übergeordnetes Wissensnetz, das die bislang getrennten Sektoren von Energieerzeugung und -verbrauch miteinander verbindet, erweist sich als Megatrend bei der sich entfaltenden Zukunft des Heizens und Kühlens. Wenn der Stromverbraucher befähigt wird, mit dem Heizungssystem zu kommunizieren, wenn die Infrastruktur in der Lage ist, zu erkennen, ob jemand in der Wohnung ist, und sich dann selbst entsprechend steuert, wenn das System lernfähig wird und Gewohnheiten und Nutzungsmuster erkennen kann, dann eröffnet all das neue Chancen für Ressourceneffizienz.

Energie Zukunft (2017)

Energie Zukunft (2017)

(…)

Wo neue Stadtteile entstehen oder bestehende grundlegend modernisiert werden, wird es auch für Wärme neue Netze geben. Solche Nahwärmenetze werden keine Einbahnstraßen sein, über die Wärme lediglich verteilt wird, vielmehr werden die angeschlossenen Gebäude in der Lage sein, Wärme untereinander zu tauschen.

Ein solches interaktives Nahwärmenetz wurde beispielsweise 2013 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg eingerichtet. Das Pilotprojekt entstand in der Wilhelmsburger Mitte, einem neu entwickelten Modellquartier mit verschiedensten Gebäudetypen und -nutzern im Süden von Hamburg. Alle neu errichteten Gebäude sind über das Wärmenetz an einen Verbund angeschlossen und können daraus Energie beziehen oder selbst erzeugte Wärme aus erneuerbaren Energien einspeisen. Durch die Möglichkeit des Austauschs von Wärmeenergie konnten z. B. solarthermische Anlagen optimaler dimensioniert und ihr Anteil am Energiemix gesteigert werden.

Gesteuert wird das virtuelle Kraftwerk von einer Energiezentrale im Quartier. Ein Blockheizkraftwerk, das die Wärme für die Grundlast und für Spitzenlasten erzeugt, wird mit Biomethan befeuert, das in einer benachbarten Kläranlage aus Faulgas gewonnen wird. Etwa 20 Verbundteilnehmer sind an das Nahwärmenetz angeschlossen, das bei allem technischen Fortschritt nach wie vor einen Mangel aufweist: Noch immer gibt es zu wenige Speichermöglichkeiten für Wärme. Die aber wären nötig, um Schwankungen bei Produktion ud Nachfrage auszugleichen.

Digital gesteuerte Energienetze, wie sie im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg im Kleinen schon erprobt sind, werden sich in einem ins Gigantische gesteigerten Maßstab über die ganze Welt ausbreiten. Rund um den Globus sind auf dem Reißbrett entworfene Smart Citys in der Planung oder im Bau, in denen Menschen mit Wärme oder Kühlung, mit Strom und Fortbewegung versorgt werden müssen.

(…)

Angesichts der Wachstumsdynamik von Megacitys und Megaregionen erscheint eine lebenswerte urbane Infrastruktur oder gar „grüne“ Planung als unerreichbare Utopie. Doch die Gegenentwürfe gibt es schon: die ressourcenschonende Smart City ist bereits vielerorts zum realisierbaren Geschäftsmodell geworden. Mehr als hundert neue Smart Citys werden in den kommenden Jahren gebaut werden – ein Multimilliarden-Dollar-Markt der Zukunft.

Innerhalb der nächsten zwei Dekaden werden nach derzeitigen Schätzungen eine Milliarde Menschen zusätzlich in urbane Regionen strömen und dort Wohnraum, Nahrung und Energie benötigen. Unter diesem Ansturm haben Städte keine Chance mehr, über Jahrhunderte organisch zu wachsen. Die neuen Retortenstädte werden in Labors geplant und innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und müssen dann funktionieren. Die entsprechenden Blaupausen liegen vor, die notwendige Technik ist vorhanden. Vor allem die großen Technologiekonzerne wie IBM, Cisco, Google, Panasonic, Siemens oder Bosch drängen derzeit mit Macht in die Märkte von Bauen und Wohnen.

Kritiker wie der amerikanische Urbanist Adam Greenfield sehen deutlich die Schattenseiten dieser Entwicklung. In seiner Schmähschrift „Against the Smart City“ setzte der Publizist sich 2013 mit Projekten wie Songdo in Südkorea, Sir Norman Fosters Wissenschaftsstadt Masdar City in Abu Dhabi und der portugiesischen Siedlung PlanIT Valley auseinander. Greenfield arbeitet darin ein Muster heraus, nach dem die Projekte im Wesentlichen auf ähnlichen Prinzipien fußen:

  • Sie sind privatwirtschaftlich organisiert. Bau und Betrieb der Stadt, die auf der „grünen Wiese“ entsteht, sind rein ökonomisch orientierte Unternehmungen.
  • Eine zentrale, eigentümergesteuerte IT-Infrastruktur, die von einem großen Technologieunternehmen realisiert wird, durchzieht die Stadt.
  • Die Zentrale bedient sich eines alles umspannenden, allgegenwärtigen Netzes von Sensoren, Kameras und Überwachungstechnik, für die der Begriff „ubiquitäre Stadt“ geprägt wurde.

Die Smart City Songdo, eines der von Greenfield untersuchten Beispiele, wird bereits seit 2003 auf einer dem Wattenmeer abgerungenen Polderfläche realisiert. Der Songdo International Business District (Songdo IBD), so der offizielle Name, ist Teil einer Freihandelszone. Bis zum Jahre 2020 soll Songdo 340 000 Arbeitsplätze bieten und Wohnort für bis zu 70 000 Menschen sein. Die Smart City ist ein Kooperationsprojekt eines koreanischen Unternehmens und des amerikanischen Bauträgers Gale International. Die Planungen stammen von der US-Architektengruppe Kohn Pedersen Fon (KPF). „Songdos Masterplan repliziert die Form einer mittelgroßen amerikanischen Stadt zur Mitte des 20. Jahrhunderts“, kritisiert Greenfield. Mit diesem Vorwurf hätten die Planer allerdings kein Problem. Sie haben die Struktur der Stadt nach realen Vorbildern komponiert: ein wenig Seoul hier, ein wenig New York dort. Songdo ist so etwas wie der Prototyp eines international verwertbaren Smart-City-Modells. Es soll schon nach Ecuador verkauft worden sein, auch der Jemen und Vietnam zeigen Interesse. Retortenstädte wie Songdo entstehen derzeit in vielen Weltgegenden, vor allem in Asien. Indien will in nächster Zukunft einhundert Smart Citys bauen, in China stehen schon die ersten Exemplare wie die Tianjin Eco-City.

Versorgungstechnisch gesehen bietet Songdo exakt das, was man von einer smarten Stadt erwartet. Mit Flüssiggas betriebene Blockheizkraftwerke beliefern die Gebäude mit Strom und Wärme. Der als LNG (Liquid Natural Gas) bekannte Brennstoff zählt nicht zu den erneuerbaren Energien, verbrennt jedoch sauberer als andere fossile Energieträger. Die Energieeffizienz von Songdo soll um 30 Prozent besser sein als die vergleichbarer Agglomerationen.

Das wahre Herz der Stadt ist ein von Cisco geliefertes IT-System, das tausende Kameras und abertausende Sensoren verbindet. In jeder Behausung können die Bewohner jederzeit die aktuellen Verbrauchsdaten abrufen. Sie können aber auch per Videokamera die Spielplätze zwischen den Gebäuden einsehen, wenn ihre Kinder draußen sind. Sämtliche Straßen und Wege werden von Kameras überwacht. Wer falsch parkt, dessen Kennzeichen wird in der Zentrale registriert und erhält automatisch ein Strafticket zugestellt. Wer bei der Polizei auffällig geworden ist, wird besonders überwacht. In dieser Stadt passiert nicht viel, ohne dass es jemand mitbekommt.

Die meisten Kommentatoren und Beobachter sehen darin nichts Schlimmes. Bei der Auswahl der „World‘s best Cities“ im Jahr 2014 gefiel der amerikanischen „National Geographic Society“ vor allem, dass der Müll in den Häusern direkt in ein Vakuumsystem geworfen wird und Mülltonnen deshalb nicht mehr von Müllmännern abgeholt werden müssen. Und bereits 2012 erhielt Songdo so etwas wie den Ritterschlag der Weltgemeinschaft: Die UN verlegte den Sitz ihres wichtigen Klimafonds (um den sich beispielsweise auch Bonn beworben hatte) in die südkoreanische Stadt.

Einige Zukunfts-Seher blicken geradezu enthusiastisch auf diese Komfortzonen der Nachhaltigkeit, in denen alles mit allem vernetzt ist und in denen das Energiesystem eine entscheidende Rolle spielen wird. „Das Stromnetz ist selbst eine Art soziales Netzwerk geworden“, schwärmt der Biologe und Publizist Christian Schwägerl in einem Szenario seines Buches „Die analoge Revolution“, „denn statt der Großkonzerne erzeugen die Bürger ihre Energie selbst. Ihre Häuser haben Fassaden aus nachwachsenden Algen und Dächer aus organischen Solarzellen, Batterien und Wassertanks speichern Erdwärme und überschüssigen Windstrom.“

Fürs erste ist unentschieden, welche Variante künftigen Lebens in den Städten obsiegen wird. Nach allem, was sich darüber sagen lässt, bieten sie sowohl die Chance auf weitgehend nachhaltige Städte für die neue Milliarde, die auf Wohlstand und urbanes Leben dringt, als auch auf die Dystopie einer total kontrollierten Gesellschaft. Eines Morgens könnte Tomoko Matsuka mit ihren zwei kleinen Kindern daheim am Küchentisch sitzen und nicht mehr wissen, ob sie in einen Traum oder einen Albtraum gezogen ist.

© Torsten Meise 2016

World Mayor Prize für Bart Somers

Mechelens Bürgermeister Bart Somers | © Torsten Meise

Wie gelingt Integration? Mechelens Bürgermeister Bart Somers hat in den letzten 16 Jahren eine Antwort gefunden – und sie gefällt nicht jedem. Seine kulturelle Offenheit verprellt die Konservativen, sein Eintreten für „Zero Tolerance“, Überwachung und saubere Straßen die Linken. Doch das Resultat seiner Doppelstrategie ist erstaunlich: Während in den Nachbarstädten Brüssel und Antwerpen hunderte Jugendliche für ISIS in Syrien kämpfen, ist niemand aus seiner Stadt diesem Beispiel gefolgt. Und das trotz eines sehr hohen Ausländeranteils. Hat er eine Erfolgsformel gefunden? Viele Beobachter sehen es so, denn Bart Somers hat am 14. Februar 2017 den World Mayor Prize 2016 erhalten. Damit ist er so etwas wie der Welt-Bürger-Meister des Jahres.

Mechelens Bürgermeister Bart Somers | © Torsten Meise

Vorbild: Mechelens Bürgermeister Bart Somers | © Torsten Meise

Ich hatte im Dezember 2016 Gelegenheit, Bart Somers im Europäischen Parlament in Brüssel zu interviewen. Der liberale Politiker nahm hier an einer Plenarsitzung des Ausschusses der Regionen teil. Ein wenig musste das Gespräch zwischen Tür und Angel stattfinden, aber trotzdem hat sich Bart Somers am Ende fast eine Dreiviertelstunde Zeit genommen. Aus dem Gespräch ist ein Porträt für Zeit Online entstanden. An dieser Stelle poste ich noch einmal ein paar Ausschnitte aus dem Interview, weil ich seine Aussagen so bemerkenswert finde.

 

Belgiens Mr. Zero Tolerance

 

Herr Somers, nach den Anschlägen von Paris und Brüssel ist Belgien als Heimat zahlreicher Attentäter in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Viele wohnten in Brüsseler Vororten. Warum ist Ihre Stadt Mechelen dabei etwas Besonderes?

Der Großraum Brüssel/Antwerpen hat 3,5 Millionen Einwohner. Mechelen liegt genau in der Mitte, hat 90 000 Einwohner und ist eine sehr multikulturelle Stadt mit 128 Nationalitäten. 20 Prozent der Einwohner sind Muslime, die meisten aus Marokko und Nordafrika. Unsere Region stellt 8 bis 10 Prozent der insgesamt rund 5000 Europäer, die für ISIS in Syrien kämpfen. 93 kommen aus Antwerpen, 198 aus Brüssel, 28 alleine aus Vilvoorde, einer Nachbarstadt, die nur halb so groß ist wie Mechelen. Und aus meiner Stadt? Niemand!

Hat das damit zu tun, dass Sie in Belgien als „Mr. Zero Tolerance“ gelten?

Vor 15 Jahren hatte Mechelen einen sehr schlechten Ruf. Es war die dreckigste Stadt Belgiens, hatte eine hohe Kriminalitätsrate, leere Geschäfte, die Menschen aus der Mittelschicht verließen die Stadt. Die einzigen, die noch in die Stadt zogen, waren Alte, Arme und Migranten. Heute ist es genau umgekehrt, Mechelen ist eine der attraktivsten und am schnellsten wachsenden Städte in Flandern, sauber und sicher.

Und das schützt Menschen davor, sich zu radikalisieren?

Unser Erfolg steht auf zwei Beinen. Zum einen war und bin ich sehr strikt in Fragen der Sicherheit. Wir haben mehr in die Polizei investiert und haben mehr Kameras im öffentlichen Raum als jede andere Stadt in Belgien. Und wenn es notwendig ist, benutzen wir auch das Zero-Tolerance-Konzept, aber nicht immer. Das zweite Standbein ist jedoch Integration. Wir versuchen, Isolation und Radikalisierung zu verhindern, zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Radikalisierung funktioniert wie eine Sekte. Junge Menschen schauen zu einem Vorbild auf und bekommen gesagt, es sei schlecht, Freunde zu haben, die keine Muslime sind. Und dann heißt es, die muslimischen Freunde seien nicht gut, weil sie nicht dem wahren Glauben folgen. Am Ende werden die Jugendlichen vollkommen isoliert und manipuliert. Prävention ist die beste Möglichkeit, dies zu verhindern.

Was genau tun Sie?

Wir müssen Menschen dazu bringen, zuzuhören. Das kann der Lehrer sein, ein Freund, der Trainer im Boxclub. Wir benötigen Vertrauen in der Gesellschaft. Wenn jemand sieht, dass ein Jugendlicher gefährdet sein könnte, kann er ins Rathaus kommen und weiß, dass der Bürgermeister die Familien dieser Jugendlichen als Opfer und als Verbündete sieht. Sie können auch zur Polizei gehen, weil die Polizei kein Feind ist. Vor allem aber akzeptiere ich die Vielfalt als die neue Realität des 21. Jahrhunderts. Darin müssen wir uns alle integrieren. Ich bin Mechelener in der 14. Generation, aber ich habe deshalb keinen Besitzanspruch. Ich bin die erste Generation, die in einem multikulturellen Mechelen wohnt, und es ist meine Stadt genau so wie es die Stadt von Mohammed ist, der erst seit einigen Jahren hier lebt.

Wie ist ihre Stadt mit den Anschlägen in Brüssel umgegangen, die ja beinahe vor Ihrer Haustür stattgefunden haben?

Viele Einwohner von Mechelen arbeiten am Flughafen Zavendem, wo eines der Attentate stattfand. Ich bin am Freitag danach in die größte Moschee der Stadt gegangen, wo tausend muslimische Bürger versammelt waren, und habe eine Rede gehalten. Ich habe gesagt, „Sie sind doppelt Opfer geworden“. Einmal, wie alle anderen, als Bürger, die Angst haben, ermordet zu werden. Aber zweitens auch als Muslime, deren Identität, Religion und Kultur von Terroristen gekidnapped wurde. Sie müssen jetzt erklären, wie und warum sie sich von den Terroristen unterscheiden. Und ich habe gesagt, dass ich ihnen vertraue, dass ich auf ihrer Seite bin und wir uns gegenseitig helfen müssen.

Null Toleranz und Multikulti – Artikel bei Zeit.de | Screenshot

Null Toleranz und Multikulti – Artikel bei Zeit.de | Screenshot

 

„Mr. Tolerance“– Vorbild für Integration

 

Was haben Sie in der Stadt verändert, um Integration zu fördern?

Ein wichtiges Element meiner Politik ist, alles zu tun, um Ghettoisierung zu verhindern. Zu viele Städte in Europa sagen, sie würden die Vielfalt lieben, aber tatsächlich leben sie eben nicht in einer vielfältigen Stadt. Wir leben in Archipelen aus monokulturellen Inseln. Wir leben getrennt, in einer Art Apartheidssystem. Wir sind einander fremd.

Das beginnt bereits bei der Frage, in welche Schule unsere Kinder gehen. Wir haben in Mechelen eine Initiative gestartet, um die Eltern der weißen Mittelschicht davon zu überzeugen, ihre Kinder in die Schule um die Ecke schicken, auch wenn dort der Migrantenanteil sehr hoch ist. So etwas funktioniert nur, wenn sie viele Eltern auf einmal überzeugen, und dann sorgt man für einen Wandel. Wir haben das an vier Schulen geschafft, weil wir garantiert haben, dass wir die Qualität dieser Schulen steigern. Aber wir gehen auch zu den Schulen der weißen Mittelschicht und sagen: Es ist schlecht, wenn weiße Kinder keine farbigen Freunde haben. Wir haben in den Sportvereinen den Ehrgeiz gefördert, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu integrieren. Im Fußballverein oder im Boxclub hilft man den Kindern und Jugendlichen auch bei den Hausaufgaben. Und dann müssen die Kids ihre Arbeiten und Zeugnisse zeigen. Und wenn sie nicht gelernt haben, dürfen sie zwei Wochen lang nicht mitspielen.

Ghettoisierung zu verhindern ist auch eine Aufgabe der Stadtentwicklung, was haben Sie in diesem Bereich getan?

Ich habe versucht, möglichst vielfältige Nachbarschaften zu schaffen. Ich habe in armen Vierteln viel in den öffentlichen Raum investiert. Wo andere Städte Vandalismus-resistente Materialien verbauen, haben wir nur die besten Materialien benutzt, die auch in besseren Vierteln und auf unserem großen Marktplatz stehen. Vielleicht stellen wir ein paar mehr Kameras auf und brauchen etwas mehr Polizei, aber wir respektieren alle Einwohner als echte Bürger. Und was ist passiert? Die Mittelschicht ist in diese Viertel zurückgekehrt. Und was macht die? Sie setzt das Viertel auf die politische Agenda, weil es das soziale Kapital dafür hat. Und nach der Schule gehen die Kinder der Mittelschicht erst einmal nach Hause und machen ihre Hausaufgaben. Das sehen die Eltern aus der Nachbarschaft, die vielleicht einen anderen Anspruch haben. Und dann sagen sie ihren Kindern, dass sie das auch so machen sollen, schließlich gehen alle auf die gleiche Schule. Im Endeffekt schaffen wir Sozialarbeiter, die wir nicht bezahlen müssen.

 

Integration ist ein langer Prozess

 

Wie sehen Ihre Bürger das?

Viele Linke kritisieren mich, weil ich für Sicherheit, saubere Straßen und die Durchsetzung des Rechtsstaates sorge. Die Konservativen stören sich daran, das ich Wert auf Integration und Gleichberechtigung lege und eine strenge Antidiskriminierungslinie verfolge. Ich benötige eine offene Gesellschaft, aber die bekomme ich nur, wenn ich für die Einhaltung der Gesetze sorge. Das ist ein langer Prozess, und nicht jede Diskussion ist einfach. Ein Beispiel: Die Muslime hatten den Wunsch, mit dem Kopf Richtung Mekka begraben zu werden. Das war ein großes Problem für viele Bürger. Es hat zehn Jahre gedauert, bis wir den Friedhof entsprechend einrichten konnten. Aber wir haben es geschafft. Warum auch nicht, wo ist das Problem? Wenn jemand so begraben werden will, bitte schön.

Auch andere Städte wie Brüssel investieren in kritische Nachbarschaften und starten soziale Programme. Wie erklären Sie sich, dass aus anderen Städten trotzdem so viele Jugendliche nach Syrien gegangen sind?

Ein Fehler, den viele machen, ist das Denken in Gruppen. Wir müssen aufhören, von „uns“ und „ihnen“ zu reden. Viele Städte glauben, soziale Probleme lösen zu können, indem sie einzelne Gruppen ansprechen. Das Gruppendenken fördert die monokulturellen Nachbarschaften. Sie bekommen ein Klein-Marokko oder ein Klein-Afghanistan. Die Nachbarschaften werden dann geschlossene Gesellschaften. Das muss man aufbrechen, man muss die Ghettos abschaffen, die Menschen emanzipieren. Man muss aufhören, Migranten in eine Ecke zu stellen, man muss sie als echte Bürger behandeln. Und Schritt für Schritt schafft man dann Vertrauen und kann eine Stadt mobilisieren.

 

© für das Interview: Torsten Meise

 

Erschienen: Kundenmagazin concepts in Version 2.0

concepts, Ausgabe 1/2015

Weniger ist mehr – das sagt sich so einfach. Gemeinsam mit Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief, Hoffmann & Campe Corporate Publishing sowie der Agentur RINGZWEI habe ich im vergangenen Jahr ein Konzept für eine verkleinerte Variante des Hochtief-Kundenmagazins „concepts“ entwickelt und umgesetzt. Um die zahlreichen Themen der weltweit agierenden Hochtief-Unternehmen immer noch adäquat abzubilden, haben wir die Inhalte neu sortiert, bewertet und auf die wichtigsten Dinge reduziert. Gleichzeitig haben wir in der Gestaltung die gewohnte Großzügigkeit im Wesentlichen erhalten und durch einige kleine Tricks sogar noch etwas „Spielraum“ gewonnen.

Mit der Ausgabe 1/2015 ist concepts nun erstmals in der neuen Version erschienen. Mit dem neu eingeführten „Fokusthema“ beleuchten wir ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz und brechen es auf die Bedeutung herab, die es für die Aufgaben eines globalen Baukonzerns hat. In der aktuellen Ausgabe habe ich über die Veränderungen in der Verkehrspolitik moderner Metropolen geschrieben. Am Beispiel des Londoner Crossrail-Projektes, dem größten und teuersten derzeit zu findenden Infrastrukturprojekt in Europa, zeige ich die Folgen neuer Mobilitätskonzepte und den Bedeutungszuwachs unterirdischer Verkehrsverbindungen. In weiteren Beiträgen beleuchten wir zum Beispiel, was der pazifische Lachs mit nachhaltigem Bauen zu tun hat, welche Rolle Technologie bei der Sanierung von Autobahnen spielt und wieso Hochtief-Mitarbeiter in Ruanda beim Bau einer Hängebrücke helfen.

Das Hochtief-Kundenmagazin concepts gehört zu den am meisten ausgezeichneten CP-Produkten in Deutschland. Bei Branchen-Wettbewerben erhält es regelmäßig hohe und höchste Preise. Seit der Ausgabe 1/2015 bin ich als Chefredakteur verantwortlich für die Inhalte von concepts.

Zur Online-Ausgabe von concepts 1/2015 (oder auf das Foto klicken)

concepts, Ausgabe 1/2015

concepts, Ausgabe 1/2015

100 Smart Cities für Indien

Neu-Delhi, bald die zweitgrößte Megacity der Welt | Foto: pixabay.com
Neu-Delhi, bald die zweitgrößte Megacity der Welt | Foto: pixabay.com

Neu-Delhi, bald die zweitgrößte Megacity der Welt | Foto: pixabay.com

Bis zum Jahr 2050 wird Indien einen gigantischen Urbanisierungsprozess bewältigen müssen. Nach Berechnungen der UN wird die städtische Bevölkerung auf dem Subkontinent um 400 Millionen Menschen zunehmen. Dies ist die weitaus größte Verstädterung weltweit. Schon heute wandern in Indien pro Minte 25 bis 30 Menschen vom Land in ein urbanes Zentrum. Neu-Delhi wird in absehbarer Zeit die nach Tokyo zweitgrößte Megacity der Welt sein. Vor einem knappen Jahr hat Premierminister Narendra Modi deshalb angekündigt, einhundert sogenannter Smart Cities mit Hilfe ausländischer Investoren bauen. Ein Prozess, der schnell gehen muss, und viel Kapital und Know-how aus dem Westen benötigt. Welche Perspektiven für Unternehmen sich auftun, habe ich in einem leider nur kurzen Artikel für eine Sonderveröffentlichung auf FAZ.net zusammengefasst. (Der Text wird nur begrenzte Zeit online sein.)

Sie haben Interesse an dem Thema und suchen Autoren für ähnliche Projekte? Nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf.

Kleine Kunstwerke: Geschäftsberichte

Weltweit agierende Unternehmen haben besondere Kommunikationsbedürfnisse, das ist nichts Neues. Relativ jung jedoch ist der Trend, den jährlichen Geschäftsbericht mit attraktiven medialen Inhalten zu ergänzen, also neben den notwendigen Zahlenkolonnen der Bilanz auch Geschichten zu erzählen, und das auch noch auf unterschiedlichen Plattformen. Eine der führenden Agenturen in diesem Bereich in hw.design aus München, die für zahlreiche deutsche DAX 30-Unternehmen arbeiten. So auch für Fresenius Medical Care, den weltweit führenden Anbieter von Dialysetechnik und -dienstleistungen. Die Geschäftsberichte von FMC wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass auch die aktuelle Bilanz bei einschlägigen Wettbewerben ganz oben landen wird.

Ich hatte das Glück, bereits für das Magazin zum FMC-Geschäftsbericht 2011 schreiben zu können, und auch 2012 (PDF-Download) sind zwei längere Stücke von mir zu finden. Die Porträts portugiesischer Heimdialye-Patienten sind hier online zu lesen, auch das ist sehr schön umgesetzt. Auch eine Serie von Interviews mit FMC-Managern und Beteiligten ist vollständig online. Eine iPad-Variante ist ebenfalls erhältlich.

Das Beispiel FMC zeigt deutlich, wie der Geschäftsbericht als Kommunikationsmittel neu interpretiert und aufgewertet wird. Der Trend zum aufwendigen Storytelling wird zukünftig für kleinere Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Ein Spielfeld, auf dem Journalisten ihre Erfahrungen und Kompetenzen einbringen können, und auf dem auch multimediale Formen des Erzählens eine Chance bekommen werden.

 

Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012

Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012

Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012

Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012

Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012

Fresenius Medical Care – Geschäftsbericht 2012

 

 

Mehr Beispiele meiner Arbeiten in Unternehmensmedien in meinem Portfolio-PDF:

[button link=“http://torstenmeise.de/wp-content/uploads/2013/04/CP_PortfolioMeise.pdf“ size=“small“ style=“download“ color=“red“ border=“#c9c9c9″]CP-Portfolio Torsten Meise[/button]